Wirtschaft

Kursverfall beschleunigt Erdogans Tiraden schicken Lira auf Talfahrt

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Die Lira verliert im Vergleich zum Dollar seit neun Wochen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit markigen Worten teilt der türkische Präsident gegen Frankreich aus und ruft die Türken zum Boykott französischer Waren auf. An der Börse kommen Erdogans kriegerische Töne gar nicht gut an. Die Lira fällt auf neue Tiefstände. Seit Jahresbeginn büßt sie 40 Prozent ihres Wertes im Vergleich zum Euro ein.

Der Wertverfall der türkischen Währung geht nach Drohungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an die Adresse Frankreichs ungebremst weiter. Die Lira stürzte im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro jeweils auf Rekordtiefs. Erstmals mussten für einen Dollar mehr als acht Lira gezahlt werden. Seit mittlerweile neun Wochen befindet sich die türkische Währung zum Dollar auf Talfahrt. Dies ist die längste Phase mit Kursverlusten seit 1999. Experten warnen vor den Folgen des Wertverfalls.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,11

Zum Wochenauftakt mussten für einen Dollar zeitweise 8,08 Lira und für einen Euro 9,55 Lira gezahlt werden - jeweils so viel wie noch nie. Zuletzt hatte sich das Verhältnis der Türkei zu wichtigen Handelspartnern in der Europäischen Union (EU) zugespitzt, nachdem Erdogan seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron scharf angegriffen hatte. Erdogan hatte Macron im Streit über Mohammed-Karikaturen Islamfeindlichkeit vorgeworfen und den französischen Präsidenten als Krankheitsfall bezeichnet, der sich untersuchen lassen müsse. Darüber hinaus hatte Erdogan einen Boykott französischer Waren ins Spiel gebracht.

Nachdem sich der Kurs der türkischen Währung am vergangenen Freitag zunächst stabilisieren konnte, beschleunigte sich die Talfahrt nun wieder. Seit Beginn des Jahres verlor die Lira im Handel mit dem Euro mehr als 40 Prozent an Wert und im Handel mit dem Dollar 35 Prozent.

Russische Raketen: Rückschlag wegen drohender US-Sanktionen

Den jüngsten schweren Rückschlag erhielt die türkische Währung in der vergangenen Woche, als die Notenbank des Landes den Leitzins nicht wie allgemein erwartet erhöht hatte. Trotz einer hohen Inflationsrate von knapp zwölf Prozent hatte die Zentralbank den Leitzins unverändert bei 10,25 Prozent belassen und damit die Hoffnung auf einen Zinserhöhungszyklus im Kampf gegen die Inflationsentwicklung platzen lassen. In der Vergangenheit hatte sich Erdogan mehrfach gegen Zinserhöhungen ausgesprochen und damit die Unabhängigkeit der Notenbank infrage gestellt.

Zusätzlich drohen Ankara US-Sanktionen wegen des russischen Raketenabwehrsystems S-400, das der Nato-Partner Türkei im vergangenen Sommer erworben hatte. Das US-Verteidigungsministerium hatte vergangene Woche einen Testeinsatz des Systems in der Türkei scharf verurteilt. Erdogan sagte am Sonntag, die USA sollten doch Sanktionen verhängen und warnte, sie wüssten nicht, mit wem sie es zu tun hätten.

Die US-Regierung befürchtet unter anderem, dass Russland über das empfindliche Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten des US-Kampfjets F-35 gelangen könnte. Ankara war Partner beim Bau des Kampfjets und wollte zahlreiche Flugzeuge kaufen. Wegen des Rüstungsdeals mit Moskau haben die USA die Türkei aus dem F-35-Programm ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa