Wirtschaft

Fortschritte in Medizintechnik Erster Quantencomputer Deutschlands startet

Europas leistungsstärkster Quantencomputer steht im Süden Deutschlands - er wird nun offiziell präsentiert. Der Bund investiert zwei Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren. Bundeskanzlerin Merkel verspricht sich viele Entwicklungen, vor allem aber Unabhängigkeit von den führenden Nationen.

Im baden-württembergischen Ehningen ist der bislang leistungsstärkste Quantencomputer auf europäischem Boden enthüllt worden. Das von der Fraunhofer-Gesellschaft und dem US-Unternehmen IBM betriebene System "IBM Quantum System One" wurde erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Quantenrechner als "glänzendes Aushängeschild" für den IT-Standort Deutschland.

Merkel, die der Feier von Berlin aus zugeschaltet war, sagte, dass es nun darum gehen müsse, Forschungsergebnisse möglichst schnell auch für wirtschaftliche Anwendungen zu erschließen. Insbesondere in den USA und in China würden hohe Summen in die Technologie investiert. Zugleich verwies sie darauf, dass auch in Deutschland die staatliche Unterstützung in diesem Bereich bis zum Jahr 2025 "um zusätzliche zwei Milliarden Euro" steigen soll.

Auch wenn die Entwicklung noch am Anfang stehe, könne von der Quantentechnologie ein großes "disruptives Potenzial" ausgehen, sagte Merkel mit Blick etwa auf das Thema sichere Kommunikation oder Durchbrüche in der Medizintechnik, der Logistik- und Materialforschung oder in der Stabilisierung kritischer Sicherheitsinfrastruktur.

Qubits statt nur Nullen und Einsen

Quantencomputer können um ein Vielfaches leistungsstärker sein als konventionelle Rechner, da sie nicht auf einem binären System, sondern sogenannten Qubits basieren, die theoretisch unendlich viele Zustände annehmen können. Merkel hob hervor, dass mithilfe der Quantentechnologie spezifische Berechnungen in wenigen Augenblicken durchgeführt werden könnten, für die herkömmliche Rechner mitunter hunderte Jahre bräuchten.

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Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer bezeichnete den Quantencomputer als "Meilenstein auf dem Weg zur technologischen Souveränität". Nach Angaben der Forschungsgesellschaft und von IBM handelt es sich bei dem System mit 27 Qubits um "Europas leistungsstärksten Quantencomputer im industriellen Kontext". Es soll Unternehmen und Institutionen eine sichere Forschungsplattform zur Verfügung stellen, um beispielsweise Anwendungen zu testen.

IBM und die Fraunhofer-Gesellschaft hatten im März 2020 - auch nach einer Vermittlung durch Merkel - eine Vereinbarung unterschrieben, um die Forschung zu Quantencomputern in Deutschland voranzutreiben. Bislang gibt es in Deutschland noch keinen Quantencomputer, der komplett ohne Technologie aus dem Ausland gebaut wurde. Immerhin gelten die deutschen Mittelständler Trumpf und Sick bei quantenoptischen Sensoren als führende Know-how-Träger. IBM ist neben seinem US-Konkurrenten Google auf dem Gebiet der Quantencomputer bisher führend.

Quelle: ntv.de, als/AFP

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