Wirtschaft

Keine estnische Kryptowährung "Estcoin" war nur ein Missverständnis

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Estland wird doch keine eigene Kryptowährung haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aus der Traum: Estland wird doch keine eigene Kryptowährung bekommen. Der "Estcoin" stellt sich als großes Missverständnis heraus. Ursprung war das Konzept eines Unternehmers.

Alles begann vor einem Monat. Im Internet verbreitete sich die Nachricht, Estland werde in Kürze seine eigene Kryptowährung haben - sie solle "Estcoin" heißen. Investoren sollten dabei helfen, Estland eine wegbereitende digitale Nation zu machen. Es hieß, dass selbst Vitalik Buterin an Bord sei, Gründer der Kryptowährung "Ethereum". So weit, so schöne neue Welt.

Die utopische Vorstellung einer nationalen Kryptowährung ist aber zerplatzt. Denn "Estcoin" ist nichts weiter als die spekulative Idee eines estnischen Unternehmers, die zum großen Missverständnis wurde. "Wir haben mit Estlands Zentralbank gesprochen. Sie haben gesagt, dass es nicht wahr ist", sagt Björn Segendorff, Berater für finanzielle Infrastruktur der schwedischen Riksbank. "Die Gerüchte sind nur durch unglückliche Zufälle entstanden."

Urheber des "Estcoin"-Hypes war Kaspar Korjus, Direktor des Regierungsprogrammes "E-residency", das ausländischen Unternehmen und Privatpersonen Zugriff auf estnische Bankenservices, Unternehmensregister und ähnliches erlaubt. Korjus überlegte in einem Blogeintrag, was wohl passieren würde, wenn Estland der erste Staat wäre, der seine eigene Kryptowährung hat. Und die könne doch "Estcoin" heißen.

Die Reaktionen auf die missverstandene These waren groß. Esten fanden die Idee großartig, Verfechter von Kryptowährungen ebenfalls. Kritik gab es seitens der Europäischen Zentralbank. Deren Präsident Mario Draghi sagte, dass kein EU-Land seine eigene Währung einführen dürfe: "Die Währung in der Eurozone ist der Euro." Allerdings hat Korjus selbst auch nicht dazu beigetragen, das Missverständnis aufzuklären.

Quelle: n-tv.de, pzi

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