Wirtschaft

US-Firmen dominieren die Börsen Europa verliert an wirtschaftlicher Bedeutung

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Die traditionelle Fertigungsindustrie Europas hat gegenüber den US-amerikanischen Konzernen immer stärker das Nachsehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Gerade einmal zwei deutsche Firmen finden sich noch unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt. Dort spielen sich die Tech-Konzerne aus den USA und China zusehends in den Vordergrund. Die Europäer sind in der Hinsicht schlecht aufgestellt und kassieren nun die Quittung.

Unter den 100 wertvollsten Börsenunternehmen der Welt sind kaum noch deutsche Firmen. Während gerade Tech-Konzerne aus den USA und China im globalen Ranking der Börsenschwergewichte dominieren, hat Deutschland mit seinen traditionellen Industriefirmen hier weiter an Bedeutung verloren. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY.

Unter die wertvollsten 100 Firmen schaffen es demnach nur der Softwarekonzern SAP auf Platz 51 mit einem Börsenwert von 160 Milliarden Dollar, sowie Siemens auf Rang 100. Verabschiedet aus den Top 100 hat sich der Versicherer Allianz, der trotz gestiegenen Aktienkurses nur Platz 110 belegt. Hinter ihm gelangen Volkswagen, Bayer, die Telekom, BASF und Adidas immerhin noch unter die 200 wertvollsten Unternehmen.

An der Spitze der Börsenriesen thront 2019 ein nicht-amerikanisches Unternehmen: Der saudi-arabische Ölkonzern Saudi-Aramco, der im Dezember an die Börse ging, ist rund 1,88 Billionen Dollar wert - etwa doppelt so viel wie die zwölf wertvollsten deutschen Firmen zusammen. Auf Saudi-Aramco folgen Apple, Microsoft, die Google-Mutter Alphabet, Amazon und Facebook. Hinter ihnen landete auf dem siebten Platz der chinesische Onlinehandelsriese Alibaba. Mehr als die Hälfte der 100 wertvollsten Unternehmen stammen aus den USA.

Macht Europas schwindet nach Finanzkrise

Europas Nummer Eins, der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, landet auf Rang 16. Die Europäer stellen knapp ein Viertel der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt und verbessern sich damit gegenüber dem Vorjahr leicht. Dieser Zuwachs geht vor allem auf das Konto der Niederlande, die mit dem Ölkonzern Shell oder Nestlés Konkurrenten Unilever aufwarten können.

Doch auf einen längeren Zeitraum betrachtet hat Europa an wirtschaftlicher Bedeutung verloren. "Seit Beginn der Finanzkrise Ende 2007 haben sich die Gewichte an den Weltbörsen massiv verschoben", sagte Hubert Barth, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung. Vor der Finanzkrise hatten noch 46 der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt ihren Hauptsitz in Europa - heute sind es nur halb so viele. Allein aus Deutschland waren 2007 sieben Firmen unter den Top 100. Deutschland habe an den Weltbörsen stark an Bedeutung verloren, sagte Barth.

Investoren trauten Tech-Unternehmen zu, die Wirtschaft künftig noch stärker zu prägen. Aus ihrer Sicht verspreche Europas Leitbranche, die produzierende Industrie, nur wenig Wachstum. Der Vormarsch der Tech-Konzerne an der Börse scheine unaufhaltsam, sagte Barth.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa