Wirtschaft

Wegen Diesel-Betrugs angeklagt Ex-Audi-Chef Stadler wird Prozess gemacht

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Die Gerichtsverhandlung gegen Rupert Stadler und drei Mitangeklagte dürfte mehr als zwei Jahre dauern.

(Foto: dpa)

Es wird der erste große Strafprozess zur Abgasaffäre: Rupert Stadler muss sich ab September vor Gericht verantworten. Dem früheren Audi-Chef wird Betrug vorgeworfen. Mit ihm sitzen drei weitere Manager und Ingenieure auf der Anklagebank.

Das Landgericht München hat die Anklage gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler wegen Betrugs in der Dieselaffäre zugelassen. Der Prozess gegen Stadler und drei Mitangeklagte soll am 30. September beginnen, wie das Gericht mitteilte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen "Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung" vor. Es handelt sich um den ersten großen Strafprozess im Dieselskandal in Deutschland. Das Gericht hat 176 Verhandlungstage bis Ende 2022 angesetzt.

Stadler habe spätestens Ende September 2015 von den Abgas-Manipulationen bei Audi-Dieselmotoren gewusst, aber den Verkauf der Autos trotzdem nicht verhindert, lautet der Vorwurf gegen ihn. Er war von 2007 bis 2018 Audi-Chef gewesen. Wegen Verdunkelungsgefahr war Stadler im Juni 2018 verhaftet worden und hatte vier Monate lang in Augsburg in Untersuchungshaft gesessen. Eine Mitwisserschaft oder gar Beteiligung an Diesel-Manipulationen hat er stets bestritten.

Die drei zusammen mit Stadler angeklagten Manager und Ingenieure sollen bei Audi ab 2008 Dieselmotoren mit einer verbotenen Abschaltfunktion entwickelt haben. Damit stießen die Motoren auf dem Prüfstand weniger Abgas aus als auf der Straße. Weil Audi eine zentrale Rolle bei der Motoren-Entwicklung des Volkswagen-Konzerns spielt, sollen die vier Angeklagten laut Staatsanwaltschaft für hunderttausendfache Täuschung nicht nur bei Audi, sondern auch bei den Schwestermarken Porsche und VW verantwortlich sein.

Zuletzt hatte im Februar ein Sprecher des Oberlandesgerichts München noch gesagt, wenn das Landgericht die Anklage zulassen sollte, sei mit einer Eröffnung der Hauptverhandlung nicht vor Herbst zu rechnen. Nach jahrelangen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft Ende Juli 2019 eine rund 400 Seiten lange Anklageschrift mit 7000 Seiten Anhang vorgelegt.

Auch Ex-VW-Chef Winterkorn ist angeklagt

Der Skandal um die millionenfache Manipulation von Abgaswerten im Volkswagen-Konzern insgesamt war im September 2015 von US-Behörden aufgedeckt worden. Volkswagen gab auf Druck der dortigen Umweltbehörden zu, Diesel-Abgase durch eine Software manipuliert zu haben. Diese erkannte, ob sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befand und hielt auch nur dann die Stickoxidwerte ein. Auf der Straße waren die Werte um ein Vielfaches höher.

Die Wiedergutmachung kostete Volkswagen bislang mehr als 30 Milliarden Euro. Weltweit kam es zu Ermittlungen und Prozessen, die erst zu einem Teil abgeschlossen sind. In Braunschweig wurde unter anderem der im Dieselskandal zurückgetretene Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wegen schweren Betrugs und unlauteren Wettbewerbs angeklagt. Er will sich in dem erwarteten Braunschweiger Strafprozess ebenfalls zur Wehr setzen. Eine Entscheidung des Gerichts über eine Zulassung der Anklage steht noch aus. Ein Strafverfahren gegen den heutigen Volkswagen-Chef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch wegen Marktmanipulation wurde gegen Geldauflagen eingestellt.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts

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