Wirtschaft

"Cockpit war zu aggressiv"Ex-Gewerkschafter sieht Piloten-Streik als strategischen Fehler

13.04.2026, 22:23 Uhr
Passanten-gehen-am-Morgen-zum-Flughafen-Muenchen-Die-Pilotengewerkschaft-Vereinigung-Cockpit-hat-fuer-Montag-und-Dienstag-zu-Arbeitsniederlegungen-bei-der-Lufthansa-und-mehreren-Tochtergesellschaften-aufgerufen
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat für diesen Montag und Dienstag zu Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa und mehreren Tochtergesellschaften aufgerufen. (Foto: picture alliance/dpa)

Derzeit streiken die Lufthansa-Piloten, dann folgt zur Wochenmitte das Kabinenpersonal. Der Ex-Tarifchef der Vereinigung Cockpit wirft seiner Gewerkschaft strategische Fehler vor. Die Streiks würden die befürchteten Auslagerungen noch beschleunigen.

Mitten im laufenden Pilotenstreik bei Lufthansa übt der frühere Tarifverantwortliche der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) gegenüber dem "Spiegel" scharfe Kritik an seiner früheren Gewerkschaft. Marcel Gröls spricht von einem "historischen Machtverlust" der VC und einem Verhältnis zur Lufthansa, das "seit Jahren toxisch" sei. Als Beleg nennt Gröls symbolträchtige Eskalationen: "Streikaufrufe am Abend des Neujahrskonzerts der Lufthansa. Ein Streik an einem Weihnachtsfeiertag. Aktuell wieder ein Streik im zeitlichen Kontext zur Hundertjahrfeier."

Der Machtverlust zeige sich auch strukturell: Die neu gegründete City Airlines tarifiere bereits mit Verdi, nachdem schon die Tochter Discover mit Verdi tarifiert wurde. Gröls warnte, Eurowings und Lufthansa Cargo könnten folgen. "Dann hätte die VC die großen Töchter verloren und nur noch die stagnierende Mutter."

Zugleich warnte Gröls die Piloten vor einem strategischen Eigentor: Der aktuelle Streik treffe am Ende sie selbst härter als den Konzern. Wer eine deutliche Anhebung der Altersversorgung durchsetze, treibe Lufthansa nur weiter dazu, das Geschäft auf günstigere Töchterunternehmen zu verlagern. Der Vereinigung Cockpit rät Gröls zu einem Kurswechsel: "Es war zu aggressiv. In der Luftfahrt ist ein Go-Around kein Zeichen von Schwäche."

"Lufthansa will nie wieder erpressbar sein"

Auch zu dem tieferliegenden Konflikt zwischen der Lufthansa und der Piloten-Gewerkschaft äußerte sich der Ex-Gewerkschafter gegenüber dem Magazin: "Es gibt immer Konflikte an der Oberfläche - irgendein Tarifvertrag, der gerade ausgelaufen ist. Gleichzeitig schwelen darunter Interessen, die man tariflich nicht fassen kann. Die Piloten wollen Perspektiven in der Passage, weil sie sehen: Gewachsen wird nur bei den Töchtern. Der Konzern wiederum will nie wieder strategisch erpressbar sein." Die Piloten seien als Gewerkschaft potenziell die mächtigste Gruppe überhaupt, analysierte Gröls. "Es reicht, wenn eine Position im Cockpit nicht besetzt werden kann - und das Flugzeug bleibt am Boden. Beim Bodenpersonal müssen Sie Hunderte mobilisieren für denselben Effekt." Diese strukturelle Macht wisse das Unternehmen sehr genau einzuschätzen.

Der Lufthansa-Vorstand hatte die Gewerkschaft zum Streikstart am Morgen zum Streikstart. Für den Lufthansa-Konzern sei es klar, dass Flugzeuge nur dort eingesetzt werden könnten, wo sie profitabel fliegen. Aus diesem Grund würden Gesellschaften außerhalb der Kernmarke wie die neue Tochter Lufthansa City Airlines wachsen. "Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen", sagte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann zum Konfrontationskurs der Vereinigung Cockpit.

Quelle: ntv.de, mau

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