Umstrittener Panzer-Deal mit AthenEx-Rüstungsmanager sitzt in U-Haft

Griechenland kauft sich für fast 200 Millionen Euro Panzerhaubitzen des deutschen Krauss-Maffei-Wegmann-Konzerns. Der Deal kommt nur dank eines Mannes zustande. Er wird verdächtigt, heimlich einen Millionenbetrag kassiert und nicht versteuert zu haben.
Ein früherer Manager des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sitzt nach Zeitungsinformationen in München in Untersuchungshaft. Er soll sich an einem Panzer-Deal, bei dem Schmiergeld geflossen sein soll, bereichert haben, berichtete die "Suddeutsche Zeitung". Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittele wegen Steuerhinterziehung.
Korruption wäre in Deutschland verjährt, nicht aber in Griechenland. Dort ermittelt de n Angaben zufolge die Athener Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen KMW-Mann wegen Bestechung und hat bereits im vergangenen Jahr einen Haftbefehl erlassen. Deutschland habe den Rentner und einstigen Rüstungs-Manager aber nicht ausgeliefert.
Schmiergeld und Steuerhinterziehung
Das Amtsgericht München erließ laut Zeitung im Januar 2015 Haftbefehl, offenbar wegen Fluchtgefahr. Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sich der Beschuldigte seither in München-Stadelheim in Untersuchungshaft befindet. Die Strafverfolgungsbehörde nannte aber wegen des Steuergeheimnisses keine Details. Der Anwalt des Ex-KMW-Managers äußerte sich nicht.
Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt laut "Süddeutscher Zeitung" gegen den Rentner schon seit mehr als einem Jahr wegen Steuerhinterziehung. Beim Verkauf der Panzerhaubitze PzH 2000 im vergangenen Jahrzehnt von KMW an Griechenland soll Schmiergeld geflossen sein. Das wäre in Deutschland verjährt, nicht aber Steuerhinterziehung.
Der KMW-Mann soll sich demzufolge an dem Deal mit den Panzerhaubitzen, für die Athen fast 200 Millionen Euro zahlte, persönlich bereichert haben. Er wird verdächtigt, heimlich einen Millionenbetrag kassiert und nicht versteuert zu haben. Als die Staatsanwaltschaft Athen, die den Fall ebenfalls untersucht, vor wenigen Monaten den Münchner Kollegen neue Erkenntnisse lieferte, kam der Mann ins Gefängnis.
Schlüsselfigur im Panzer-Deal
Ermittlungsergebnissen zufolge sollen von den Beraterhonoraren, die KMW für das Geschäft zahlte, von 2001 bis 2005 in fünf Tranchen insgesamt etwas mehr als eine Million Euro nach Deutschland an den damaligen KMW-Mann zurücküberwiesen worden sein. Das war bereits bekannt. Neu hingegen ist, dass der Panzer-Manager zusätzlich eine halbe Million Euro in bar kassiert haben soll. Als das aufgrund der Athener Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft bekannt wurde, erließ die deutsche Justiz Anfang des Jahres Haftbefehl.
Der frühere KMW-Mann bestreitet dem Blatt zufolge, zusätzlich zu den Überweisungen auch Bargeld aus Griechenland bekommen zu haben. Er gilt als Schlüsselfigur bei dem Panzer-Deal. Redet er, dann könnte er möglicherweise auch andere KMW-Manager mit hineinziehen. Solche Andeutungen finden sich in den Justizakten. Doch bislang schweigt der Untersuchungshäftling.
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Athen sollen von 2001 an mehrere Jahre lang Schmiergelder in Höhe von insgesamt mindestens 3,7 Millionen Euro geflossen sein, damit der griechische Staat die PzH 2000 von KMW kaufte und nicht ein Konkurrenzprodukt. Ein Berater in Athen, der als Mittelsmann agierte, hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe seine Honorare, die er von KMW bekam, auch dazu genutzt, Amtsträger zu bestechen.
Der frühere KMW-Mann muss nun mit einer baldigen Anklage rechnen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt mehr als zehn Beschuldigte wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe hierzu. KMW soll die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen zu Unrecht als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt haben.