Wirtschaft

Erfolgsverwöhnter US-Konzern Facebook blickt auf schwierige Zukunft

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Monatlich nutzen 2,5 Milliarden Menschen Facebook.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Die Nutzerzahlen steigen. Dennoch gerät Facebook nach und nach in schwierigeres Fahrwasser. Der US-Internetriese sieht sich massiver Kritik ausgesetzt. Es geht um ominöse Gesichtserkennungen und personalisierte Werbung. Die fetten Jahre scheinen vorbei.

Für Facebook könnten die Jahre des Rekord-Wachstums vorbei sein. Steigende Kosten nach Vorwürfen mangelnden Datenschutzes, zunehmend gesättigte Märkte und Skandale um Falsch-Informationen machen dem US-Riesen zu schaffen. Zwar kletterte die Zahl der monatlichen User des Netzwerks auf weltweit mehr als 2,5 Milliarden Menschen, doch legt der Umsatz nicht mehr so schnell zu wie in der Vergangenheit. Höhere Kosten drückten zudem die operative Rendite. Aktien des über Jahre erfolgsverwöhnten US-Konzerns gaben um über sieben Prozent nach.

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Facebook, der weltweit größte Verkäufer von Online-Werbung, vermeldete mit einem Wachstum von immerhin noch 25 Prozent das niedrigste Umsatzplus für ein viertes Quartal in seiner Geschichte. Im laufenden Quartal werde es nicht besser werden, räumte Finanzchef David Wehner ein. Facebook blickt nun schon auf vier Quartale in Folge zurück, in denen das Umsatzwachstum unter 30 Prozent lag.

Vor dem Jahr 2018 hatte der Konzern regelmäßig Wachstumsraten von mehr als 40 Prozent vermeldet. Auch hinterließen nicht zuletzt höhere Investitionen in die Sicherheit Spuren in der Quartalsbilanz. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben auf gut 12,2 Milliarden Dollar - ein überraschend starker Anstieg von 34 Prozent.

Die Facebook-Aktie sackte im nachbörslichen US-Handel am Mittwoch mehr als sieben Prozent ab. Mit den Quartalszahlen gab der Konzern auch eine Zahlung von 550 Millionen Dollar im US-Bundesstaat Illinois für die Beilegung einer Verbraucher-Sammelklage wegen der Gesichtserkennungs-Funktion auf der Plattform bekannt. Die Kläger hatten Facebook vorgeworfen, gegen lokale Gesetze verstoßen zu haben, weil biometrische Daten ohne Wissen der Nutzer erhoben worden seien. Die Funktion schlägt Namen von Facebook-Freunden zum Markieren in Fotos vor.

"Die Leute müssen wissen, wofür man steht"

Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg kündigte an, er wolle die Positionen des Online-Netzwerks offensiver vertreten. "Mein Ziel für das nächste Jahrzehnt ist es nicht, gemocht, sondern verstanden zu werden", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Damit man Vertrauen gewinnen kann, müssen die Leute wissen, wofür man steht."

So wolle Facebook verstärkt die Redefreiheit, die Verschlüsselung und sein werbebasiertes Geschäftsmodell verteidigen. Dem Online-Netzwerk wird unter anderem vorgeworfen, es sammele zu viele Daten für die Personalisierung der Anzeigen und wolle Nutzer länger auf der Plattform halten, um ihnen mehr Werbung einzublenden.

In den USA machte Facebook im vergangenen Quartal einen durchschnittlichen Erlös pro Nutzer von 41,41 Dollar, fast ausschließlich durch Werbung. Das war ein deutlicher Sprung von den 34,55 Dollar drei Monate zuvor. In Europa lag der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer lediglich bei 13,21 Dollar. Allerdings liege er in Westeuropa näher zum US-Niveau, sagte Finanzchef David Wehner.

Zugleich räumte Facebook ein, dass Regeln wie die Europäische Datenschutz-Grundverordnung oder das ähnliche neue Datenschutzgesetz in Kalifornien es zum Teil schwieriger machten, Anzeigen zu personalisieren und ihre Effizienz zu messen.

Verbreitung falscher Informationen vorgeworfen

Die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Nutzer erreichte 2,5 Milliarden nach einem Zuwachs von 50 Millionen binnen drei Monaten. Täglich kamen im vergangenen Quartal 1,66 Milliarden Nutzer zu Facebook. Zusammen mit anderen Apps wie etwa Instagram oder Whatsapp kommt der Konzern auf 2,89 Milliarden Nutzer im Monat.

Facebook steht seit Jahren wegen seines Umgangs mit dem Datenschutz in der Kritik. Dem Konzern wird zudem vorgeworfen, dass sein Netz zur Verbreitung von falschen Informationen genutzt werde, auch der Umgang mit Wahlwerbung ist umstritten. Social-Media-Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, keine Werbung mehr zu verbreiten, die falsche Informationen zum Inhalt hat und damit Einfluss auf den Ausgang von Wahlen nimmt.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa