Wirtschaft
Poster vor dem saudischen Konsulat in Istanbul machen auf den Fall Khashoggi aufmerksam.
Poster vor dem saudischen Konsulat in Istanbul machen auf den Fall Khashoggi aufmerksam.(Foto: REUTERS)
Freitag, 12. Oktober 2018

Milliarden-Projekte abgesagt: Fall Khashoggi greift auf Wirtschaft über

Das Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten Khashoggi lässt auch Wirtschaftsvertreter auf Distanz zu Riad gehen. Virgin-Gründer Branson sagt Milliarden-Projekte ab. Sogar Rüstungsexporte aus den USA werden infrage gestellt.

Das Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi hat inzwischen erste wirtschaftliche Auswirkungen für das Königreich. Der prominente Regierungskritiker wird seit einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul vermisst und soll Medienberichten zufolge dort ermordet worden sein.

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Mehrere Partnerunternehmen einer Investitionskonferenz in Riad haben nun ihre Teilnahme wegen des Falles abgesagt. Der Unternehmer Richard Branson kündigte an, seine Virgin Group werde Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über eine Milliarden-Beteiligung an den Raumfahrtprojekten von Virgin stoppen. Im US-Kongress wächst der Widerstand gegen ein Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien im Umfang von 110 Milliarden Dollar. Präsident Donald Trump sieht allerdings keinen Anlass, das Geschäft zu stoppen. Saudi-Arabien würde das Geld in einem solchen Fall in Russland oder China ausgeben, warnte Trump.

Khashoggi hatte einen Termin in dem Konsulat und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht. Der Türkei liegen einem Zeitungsbericht zufolge Beweise für seine Ermordung vor. Es gebe Video- und Tonaufnahmen, die zeigten, dass Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet worden sei, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Vertreter der USA und der Türkei. Es war unklar, ob die US-Vertreter das Material gesehen oder gehört haben. Die türkischen Vertreter hätten sie ihnen aber beschrieben, berichtete die Zeitung.

Mehrere Medienpartner der Future Investment Initiative sagten ihre Teilnahme an deren Konferenz in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ab, die am 23. Oktober beginnen soll. Die Chefredakteurin des "Economist", Zanny Minton Beddoes, werde nicht teilnehmen, teilte ihre Sprecherin mit.

Branson fordert "mehr Informationen"

Der CNBC-Moderator und Wirtschaftsjournalist der "New York Times", Andrew Ross Sorkin, erklärte, er werde nicht zu der Konferenz kommen. Er sei "schrecklich beunruhigt" über das Verschwinden Khashoggis. Die "New York Times" erklärte, sie werde sich von der Konferenz zurückziehen. Die "Financial Times" prüft ihr Engagement als Medienpartner.

Der Chef von Uber Technologies, Dara Khosrowshahi, machte seine Teilnahme davon abhängig, dass sich die Faktenlage deutlich ändere. Der Chef von Viacom, Bob Bakish, der auf der Konferenz sprechen sollte, sagte ab. Virgin-Chef Branson sagte, sollten sich die Vorwürfe gegen Saudi-Arabien als wahr herausstellen, würde dies für jeden im Westen ganz klar die Möglichkeiten für Geschäfte mit dem Land verändern. Er forderte "mehr Informationen der saudi-arabischen Behörden und eine Klarstellung ihrer Position gegenüber Herrn Khashoggi". Für die Dauer der Ermittlungen werde er seine Teilnahme an zwei Tourismusprojekten aussetzen, erklärte er.

In den USA forderten unterdessen mehrere Kongressmitglieder eine Aufklärung des Schicksals Khashoggis. Die Regierung solle zudem Sanktionen gegen Saudi-Arabien in Erwägung ziehen, erklärten sie. "Wenn sich herausstellt, dass sie einen Journalisten ermordet haben, dann wird das unser Verhältnis mächtig ändern", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Senats-Ausschusses, Bob Corker.

Für Trump dürfte es angesichts des Falls schwerer werden, die Zustimmung des Kongresses zu dem Waffenverkauf an Saudi-Arabien zu gewinnen. Das US-Parlament könnte das Geschäft blockieren. Allerdings will Trump nicht davon abrücken. "Das wäre nicht akzeptabel", sagte er im Weißen Haus. "Sie geben 110 Milliarden Dollar (97 Milliarden Euro) für Militärausrüstung und Dinge aus, die Arbeitsplätze schaffen." Es gebe andere Wege, mit der Situation umzugehen. Zugleich zeigte sich Trump besorgt über das Schicksal des Journalisten. "Wir mögen das nicht. Wir mögen das nicht mal ein kleines bisschen."

Quelle: n-tv.de