Wirtschaft

In zehn Jahren fast verdoppelt Familienunternehmen ächzen unter Steuerlast

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Auch der Süßwarenhersteller Haribo gehört zu Deutschlands Großunternehmen in Familienbesitz.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

In Corona-Zeiten eine Steuererleichterung zu verlangen, ist ein kühnes Unterfangen. Doch genau das fordern Deutschlands Familienunternehmen. Sie legen eine Studie des Ifo-Instituts vor, die ihre Benachteiligung gegenüber Großkonzernen belegt.

Die deutschen Familienunternehmen betrachten Deutschland als Hochsteuerland und fordern deutliche Steuersenkungen. Die Personengesellschaften würden hierzulande überproportional belastet, argumentierte die Stiftung Familienunternehmen und berief sich dabei auf eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts für die Stiftung. Danach hat sich das Aufkommen aus den Unternehmenssteuern von insgesamt knapp 91 Milliarden Euro im Jahr 2009 nahezu verdoppelt auf rund 170 Milliarden Euro im Jahr 2017.

Familienunternehmen zahlten in den Jahren 2010 bis 2018 etwa 67 Milliarden Euro pro Jahr an Unternehmenssteuern in Deutschland. Das sind in etwa 48 Prozent des Gesamtaufkommens an Unternehmenssteuern. Auf die 500 größten Familienunternehmen entfielen davon rund 12 Milliarden Euro, also ein knappes Fünftel. Die Familienunternehmen beklagen, dass ihre steuerliche Belastung "deutlich überproportional" angestiegen sei.

"Familienunternehmen leisten einen Großteil der Steuerlast in Deutschland. Gleichwohl werden sie in der Praxis steuerlich erheblich gegenüber den Konzernen im anonymen Streubesitz benachteiligt", erklärte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. "Es ist deswegen Zeit, dass wir nach Jahren steigender Steuerbelastung nun wieder eine Kehrtwende einleiten und gerade auf dem Weg aus der Corona-Krise für Entlastungen sorgen, statt über Steuererhöhungen zu sprechen."

Ifo-Institut: Dax-Konzerne kommen besser weg

Große Familienunternehmen zahlten in Deutschland deutlich mehr Steuern als börsennotierte Konzerne im Streubesitz, so die Stiftung Familienunternehmen. Die durchschnittliche Steuerbelastung der 500 größten deutschen Familienunternehmen liegt schon auf Unternehmensebene bei etwa 28 Prozent. Unter Berücksichtigung der Steuern auf Gesellschafterebene, also Einkommensteuern der Gesellschafter von Personengesellschaften oder Abgeltungssteuer auf Ausschüttungen von Kapitalgesellschaften, errechne sich eine durchschnittliche Belastung von fast 38 Prozent. Erträge der Dax-Konzerne, die keine Familienunternehmen sind, seien unter Berücksichtigung der Besteuerung der Gesellschafter dagegen nur mit gut 26 Prozent belastet. Deutschland benötige eine Steuerreform, die für Unternehmen fairere Bedingungen schafft.

"Die hohen Steuerzahlungen gehen einher mit einer deutlichen Verschlechterung der steuerlichen Standortbedingungen gegenüber anderen Ländern. Während in vielen Ländern die Belastung deutlich gesenkt wurde, erfolgte die letzte Anpassung hin zu einer wettbewerbsfähigen Besteuerung in Deutschland im Jahr 2008", argumentierte die Stiftung weiter. "Der Abbau der durch die Bewältigung der Corona-Pandemie entstandenen Staatsverschuldung wird nur durch Wirtschaftswachstum zu bewältigen sein."

Die Ifo-Studie nutze Jahresabschlussdaten, um den Steuerbeitrag der Familienunternehmen in Deutschland zu ermitteln. Berücksichtigt werden die Unternehmenssteuern im Rahmen von Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Kapitalertragsteuer, Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag.

Quelle: ntv.de, mau/DJ