Wirtschaft

US-Wirtschaft wächst stärker Fed-Protokoll deutet höhere Zinsen an

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Yellens Nachfolger Jerome Powell (r.), hier bei seiner Vereidigung als Fed-Chef Anfang Februar: Wie geht es dem US-Leitzins weiter?

(Foto: REUTERS)

Die US-Währungshüter halten an ihrem Kurs fest: Die Märkte müssen sich auf weitere, maßvolle Zinsanhebungen im Dollarraum einstellen. Das Protokoll der jüngsten Zinssitzung offenbart allerdings auch besorgte Untertöne hinsichtlich der Inflation.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steuert auf ihre erste Zinserhöhung in diesem Jahr zu. Das am Abend veröffentlichte Protokoll der geldpolitischen Sitzung von Ende Januar enthält Beobachter zufolge kräftige Signale für eine Anhebung im März. Die Währungshüter stehen angesichts rosiger Konjunkturperspektiven bereit, die Zügel weiter zu straffen, heißt es.

Die US-Währungshüter sprachen sich laut Fed-Protokoll bei ihrer Sitzung vom 30. und 31. Januar übereinstimmend dafür aus, dass der bessere Wachstumsausblick für die Wirtschaft für weitere Zinserhöhungen spricht. Bei der Januar-Sitzung hatte die Fed den Leitzins unverändert in einer Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent belassen.

Es sei angebracht, die Zinsen "schrittweise weiter nach oben" lautet nun eine der entscheidenden Passagen des Fed-Protokolls. Die US-Wirtschaft dürfte demnach noch schneller wachsen als es bei dem Treffen im Dezember angenommen.

Die Veröffentlichung der sogenannten Minutes (deutsch etwa: Mitschriften) wurde an den Märkten mit Spannung erwartet: Der Euro reagierte mit kurzen, heftigen Kursausschlägen, bevor der Kurs der Gemeinschaftswährung im Verhältnis zum Dollar kräftig nachgab und unter die Marke von 1,23 Dollar fiel.

An den New Yorker Börsen weitete der Dow-Jones-Index seine Kursgewinne zunächst kräftig aus. Dort werteten Anleger das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung zunächst offenbar vor allem als Hinweis darauf, dass die Fed an ihrem bisherigen Kurs maßvoller Zinsanhebungen festhält - und nicht etwa auf beschleunigte Zinsanhebungen zusteuert. Im weiteren Handelsverlauf setzte sich eine andere Deutung durch. Mit der Januar-Sitzung könnte die Fed eine baldige Zinsanhebung - womöglich schon im März - vorbereitet haben, hieß es an der Wall Street. Die großen Indizes drehten daraufhin ins Minus.

US-Wirtschaft läuft heiß

Gründe für eine baldige Zinserhebung gäbe es durchaus: Wenige Tage nach dem Dezembertreffen der Fed hatte der Kongress in Washington im Rahmen der großen Steuerreform von Präsident Donald Trump Steuersenkungen bewilligt, die letztlich - wie es nun in den Minutes heißt - etwas höher ausgefallen seien, als die Notenbanker erwartet hatten. Bei der Sitzung Ende Januar habe die Mehrzahl der teilnehmenden Währungshüter angemerkt, heißt es im Fed-Protokoll, dass ein besserer Ausblick für das Wirtschaftswachstum die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass weitere, graduelle Zinsschritte angemessen seien.

Dies gilt demnach auch für den Inflationsausblick: Die Fed rechnet mit einem deutlich schnelleren Anstieg der Kerninflation 2018. Einige Fed-Mitglieder sehen dem Protokoll zufolge dabei durchaus auch Risiken, die sich aus einem zu schnellen Wachstum ergeben könnten.

Bei der Ratssitzung im Januar hatte die US-Notenbank das für den Dollar-Raum maßgeblich Zinsniveau von 1,25 bis 1,50 Prozent bestätigt. Bei dem letzten Treffen unter dem Vorsitz von Janet Yellen machte die Fed keine Aussagen, die darauf deuteten, dass sie die Markterwartungen für eine Zinserhöhung im März zerstreuen will.

In den Wochen nach der Zinssitzung war es an den Aktienmärkten allerdings zu scharfen Turbulenzen gekommen. Die Anleiherenditen zogen an, die Volatilität schoss zeitweise in Besorgnis erregende Höhen. Hintergrund sind Überlegungen, dass durch die absehbaren Zinsanhebungen Anleihen insgesamt wieder attraktiver werden, was größere Geldströme aus dem Aktienhandel in den Bond-Markt zurücklenken könnte.

Harker: Zwei Zinsschritte reichen

Die große Frage für Investoren derzeit ist, ob die US-Notenbank den Leitzins in diesem Jahr mehr als drei Mal erhöhen wird - insbesondere wenn die Währungshüter Anzeichen dafür sehen, dass die Inflationsrate im kommenden Jahr über die Zielmarke von 2,0 Prozent steigen könnte. Laut Fed-Mitglied Patrick Harker könnte die Notenbank unter dem neuen Fed-Chef Jerome Powell zumindest 2018 mit zwei Zinserhöhungen auskommen. Damit müsste sie die Zügel nicht so straff anziehen wie bislang signalisiert.

Zwei Schritte nach oben seien "wahrscheinlich angebracht", sagte der Chef des regionalen Fed-Ablegers in Philadelphia, Harker, in einem Vortrag in St. Louis. Er sei aber offen für weitere Anhebungen, falls diese notwendig werden sollten. Die Notenbank selbst hat bislang drei Anhebungen für 2018 in Aussicht gestellt. An den Finanzmärkten ist eine Leitzinserhöhung auf der nächsten Sitzung am 20. bis 21. März fest eingepreist.

Harker, der in diesem Jahr in dem für die Zinspolitik entscheidenden Offenmarktausschuss der Fed kein Stimmrecht hat, geht wie manche seiner Kollegen davon aus, dass die von der Notenbank angepeilte Inflationsmarke von zwei Prozent spätestens Ende 2019 geknackt wird.

Quelle: ntv.de, mmo/rts