Wirtschaft

Trump kann Spitze neu besetzen Fed-Vize Fischer tritt zurück

910dcb9a94c8d2c43faf4752a928ce55.jpg

Stanley Fischer verlässt die Fed auf eigenen Wunsch.

(Foto: dpa)

Der Schritt kommt überraschend: Der Vize der mächtigsten Notenbank der Welt zieht sich zurück. Da auch der Vertrag der Chefin ausläuft, kann US-Präsident Trump die beiden wichtigsten Posten neu vergeben.

Zweinhalb Jahre vor dem Ende seines Vertrags hat der Vizechef der US-Notenbank, Stanley Fischer, seinen Rücktritt angekündigt. Der 73-Jährige werde sein Amt Mitte Oktober "aus persönlichen Gründen" niederlegen, teilte die Fed mit. Weitere Angaben machte sie nicht. Fischer, ehemaliger israelischer Zentralbankchef, hatte sein Amt im Mai 2014 angetreten. Sein Vertrag als Mitglied der Fed lief bis Januar 2020, sein Vertrag als Vizechef bis Juni 2018. Am Devisenmarkt sorgte Fischers Ankündigung für Verunsicherung. Der Dollar-Index bröckelte ab, der Euro verteuerte sich leicht auf 1,1940 Dollar.

Ernannt worden war Fischer vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Er nannte Fischer, der bereits Vizepräsident der Weltbank und Vize-Direktor des Internationalen Währungsfonds war, "einen der weltweit führenden und erfahrensten Köpfe in der Wirtschaftspolitik". Fischer bescheinigte der Fed und sich eine erfolgreiche Arbeit: In den vergangenen Jahren sei die Wirtschaft weiter gewachsen, und es seien Millionen zusätzliche Arbeitsplätze für die US-Arbeiter geschaffen worden, heißt es in seinem Rücktrittschreiben. Die Fed habe die Lehren aus der Finanzkrise gezogen und erste Maßnahmen getroffen, um das Finanzsystem zu stärken und es besser dafür aufzustellen, die "lebenswichtigen" Kredite für Wohlstand von Privathaushalten und Unternehmen des Landes bereitzustellen.

Experte: Yellens Chancen gesunken

Mit seinem überraschenden Rücktritt kann US-Präsident Donald Trump nun die beiden wichtigsten Posten der Fed neu besetzen, denn die Amtszeit der Chefin der Notenbank, Janet Yellen, endet Anfang Februar. Noch ist offen, ob Trump ihre Amtszeit verlängert. Trump hatte seinen Wirtschaftsberater und Ex-Vizechef der US-Investmentbank Goldman Sachs, Gary Cohn, ins Gespräch für die Yellen-Nachfolge gebracht. Dessen Chancen aber könnten gesunken sein, nachdem er das Verhalten Trumps nach den Zusammenstößen bei einer Rassisten-Kundgebung in Charlottesville kritisiert hatte.

Nach dem Rücktritt von Fischer ist nach Einschätzung von Capital Economics eine zweite Amtszeit von Yellen unwahrscheinlicher geworden. "Trump befindet sich mit Yellen und Fischer mit Blick auf die Bankenregulierung auf Konfliktkurs", kommentierte Ökonom Paul Ashworth. Beide Notenbanker sprechen sich gegen eine Rücknahme von den in der Finanzkrise getroffenen Regulierungen aus. Trump hingegen fordert weitgehende Lockerungen, um die Kreditvergabe anzukurbeln.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa

Mehr zum Thema