Wirtschaft

Trotz InflationsgefahrFed lässt unter neuem Chef Leitzins unverändert

29.07.2026, 21:59 Uhr
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Fed-Chef Kevin Warsh will keine dauerhafte Inflation dulden. (Foto: picture alliance / AP Photo/Jose Luis Magana)

Mit Spannung wird der Zinsentscheid der Fed erwartet, Experten halten zwei Optionen für realistisch. Nun steht fest, dass es zu keiner Veränderung kommt. Mehrere Mitglieder des zuständigen Ausschusses hätten lieber eine Erhöhung gesehen.

Die US-Notenbank fasst den Leitzins trotz anhaltender Inflationsgefahr nicht an. Die Federal Reserve (Fed) beließ ihn in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Diese Entscheidung stieß bei drei Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed auf Widerspruch. Sie sprachen sich für eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt aus.

"Unsere Gespräche verliefen erneut kollegial und konstruktiv, sagte der neue Fed-Chef Kevin Warsh bei einer Pressekonferenz. Unter anderem hätten die Mitglieder über Ursachen und Wirkung der durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferkettenprobleme, militärischer Konflikte und der "erheblichen Erhöhungen der Zollsätze" gesprochen. "Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen", führte Warsh später aus.

Das Ausbleiben einer Prognose für den künftigen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank trübte die Stimmung an der Wall Street. Die wichtigsten US-Börsenindizes weiteten ihre Verluste aus und notierten zwischen 1,2 und 2,1 Prozent im Minus. Unmittelbar nach der Zinsentscheidung der Fed hatten die wichtigsten US-Börsenindizes ihre Verluste zunächst wettgemacht. Später trübte sich die Stimmung jedoch wieder ein, da Warsh keine Prognose für den künftigen geldpolitischen Kurs abgab.

In Krisenzeiten wie in den Jahren 2008 und 2009 sei eine solche Vorausschau sinnvoll, sagte Warsh. "Aber unter günstigeren Bedingungen gehört dies meiner Meinung nach auf den Prüfstand gestellt." Die Marktteilnehmer hätten jedoch gelernt, sich auf diese Informationen zu verlassen. Ein Zurückfahren der Prognosen erfordere daher einen behutsamen Übergang.

"Differnzen innerhalb des Gremiums"

Von Reuters befragte Experten hatten mit einer Zinspause gerechnet, auch wenn sich Warsh mit Signalen zum Zinskurs bewusst zurückgehalten hatte. Die durch den Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges befeuerte Inflation hat zuletzt zwar nachgelassen. Mit 3,5 Prozent war die Teuerung im Juni jedoch noch immer relativ hoch. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Fed im September die Zinsen anheben wird.

"Die Währungshüter haben ungeachtet der jüngsten Eskalation der Lage im Nahen Osten vorerst die Füße stillgehalten. Die Differenzen innerhalb des Gremiums über den angemessenen geldpolitischen Kurs nehmen indes merklich zu. Schon im Juni hatten einige Notenbanker gute Gründe für eine straffere Geldpolitik gesehen", sagte Elmar Völker von der Bank LBBW Research.

Mit dem Wiederaufflammen des Iran-Krieges sind auch die Ölpreise weiter angestiegen, was die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte erhöht. Damit ist ein Hochschaukeln von Preisen und Löhnen gemeint, womit die Inflation weiter angetrieben wird. Dies will die Notenbank unbedingt vermeiden.

Fed-Chef Warsh hat klargestellt, dass die Fed keine dauerhaft erhöhte Inflation dulden könne. Er hat sich zugleich vorgenommen, die Fed zu reformieren, und dafür Projektgruppen einberufen. Eine von ihnen nimmt dabei das Rahmenwerk der Fed zur Inflation unter die Lupe. Warsh ließ Kritik an der Arbeit der Notenbank unter seinem Vorgänger Jerome Powell anklingen, da sie die erhöhte Inflation in den vergangenen Jahren nicht in den Griff bekommen habe.

Quelle: ntv.de, rog/rts

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