Wirtschaft

Eine Billion Euro wandert in EU Finanzfirmen verlassen London in Scharen

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Wenn die Sonne über dem Londoner Finanzzentrum aufgeht, bleiben viele Büros leer - nicht nur des Coronavirus wegen.

(Foto: picture alliance / empics)

Zuletzt verdrängt Amsterdam London infolge des Brexits als größter Aktienmarkt Europas. Wie schwer die Folgen des EU-Austritts tatsächlich wiegen, wird aber erst nach und nach klar. Inzwischen wandern viel mehr Firmen ab als gedacht - mit schwerwiegenden finanziellen Konsequenzen.

Der Brexit führt einer Studie zufolge zu einem unerwartet starken Aderlass für die Finanzmetropole London. Mehr als 440 Finanzfirmen haben seit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) ihre Geschäfte aus der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlegt, wie eine neue Studie der Denkfabrik New Financial zeigt. Das sei deutlich mehr als erwartet. "Wir gehen davon aus, dass die eigentliche Zahl weitaus höher liegt und dass künftig noch mehr Firmen ihre Aktivitäten verlagern", lautet das Fazit. "Wir stehen erst am Ende des Beginns des Brexits."

Die irische Hauptstadt Dublin profitiert der Untersuchung zufolge am meisten von den Verlagerungen. 135 Firmen hätten ihre Unternehmenszentralen dorthin verlagert, danach folge Paris, Luxemburg, Frankfurt und Amsterdam. Banken, Versicherungen und Fondsdienstleister schoben bislang Vermögenswerte in Höhe von insgesamt gut 900 Milliarden Pfund, umgerechnet mehr als eine Billion Euro, in die Länder Kontinentaleuropas.

"Das sind etwa zehn Prozent des gesamten britischen Bankensystems", schreiben die Autoren. "Frankfurt wird auf längere Sicht Gewinner sein in Bezug auf die Umschichtung von Vermögen. Paris wird dagegen der größte Nutznießer in Bezug auf Arbeitsplätze sein."

Verlust der EU-Rechte

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Mit dem Brexit haben britische Finanzdienstleister ihre sogenannten "Passport"-Rechte verloren. Diese hatten es ihnen erlaubt, ihre Geschäfte ohne zusätzliche regulatorische Genehmigungen im EU-Binnenmarkt abzuwickeln. Daher müssen britische Firmen entweder die regulatorischen Anforderungen jedes einzelnen EU-Mitgliedsstaates erfüllen oder sich darauf verlassen, dass die EU das britische Regelwerk insgesamt als gleichwertig beurteilt.

Zuletzt war London von Amsterdam als größter Aktienmarkt Europas verdrängt worden. "Da europäische Investoren ohne ein Finanzdienstleistungsabkommen zwischen Großbritannien und der EU nicht mehr in der Lage waren, Aktien an der Londoner Börse zu handeln, mussten die Handelsaktivitäten in einen EU-Mitgliedstaat verlagert werden", sagen Experten. Die Entwicklung sei unvermeidlich gewesen.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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