Wirtschaft

Größter Einbruch seit 300 Jahren Finanzminister schwört Briten auf Krise ein

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"Nach dem Gesundheitsnotstand ein Finanznotstand": Schatzkanzler Sunak hat keine guten Nachrichten für die Briten.

(Foto: REUTERS)

Die Corona-Pandemie hat Großbritannien schwer gebeutelt. Nun steht dem Königreich die tiefste Wirtschaftskrise seit drei Jahrhunderten bevor. Der Finanzminister zieht die Notbremse und kürzt die Ausgaben für Entwicklungshilfe. Millionen Arbeitslosen auf der Insel sei er das schuldig.

Großbritannien verzeichnet Regierungsprognosen zufolge in diesem Jahr den größten jährlichen Wirtschaftseinbruch in über drei Jahrhunderten. Der Wirtschaftsrückgang im Jahr 2020 betrage 11,3 Prozent, sagte Finanzminister Rishi Sunak während einer Parlamentssitzung. "Unser gesundheitlicher Notstand ist noch nicht vorbei und unser wirtschaftlicher Notstand hat gerade erst begonnen", fügte er hinzu. Offizielle Prognosen sagen für das zweite Quartal 2020 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Großbritannien auf 7,5 Prozent voraus - das entspräche rund 2,6 Millionen Arbeitslosen.

Bei der Vorstellung seines Haushalts für 2021 kündigte der Finanzminister an, Hilfen für Entwicklungsländer zu kürzen. Es sei in Zeiten der Rekordverschuldung und steigenden Arbeitslosigkeit schwer, höhere Ausgaben "gegenüber den Briten zu rechtfertigen", sagte er. Statt des bisherigen Anteils von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE), der gesetzlich verankert ist, werde Großbritannien nur noch 0,5 Prozent für Hilfen ausgeben. Im vergangenen Jahr hatte Großbritannien umgerechnet knapp 17 Milliarden Euro für Entwicklungshilfen ausgegeben.

Sunak prognostizierte eine Erholung der britischen Wirtschaft von 5,5 Prozent erst im kommenden Jahr, sowie ein Wachstum von 6,6 Prozent im Jahr 2022. Demnach werde die britische Wirtschaft frühestens im Jahr 2022 zum Vorkrisen-Niveau zurückkehren. "Unsere erste Priorität ist es nun, Menschenleben und Lebensgrundlagen zu schützen", sagte Sunak weiter.

"Moralischer Fehler": Fünf Ex-Premiers sind empört

Fünf ehemalige Premierminister des Landes sowie zahlreiche Hilfsorganisationen protestierten gegen die Kürzung der internationalen Hilfen. David Cameron sprach etwa von einem "moralischen, strategischen und politischen Fehler". Die beabsichtigten Kürzungen würden Kritikern zufolge Millionen Menschen auf der Welt betreffen und ihren Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung erschweren oder verhindern. Eine Staatssekretärin des Außenministeriums, Liz Sugg, trat nach der Ankündigung aus Protest zurück. Sunak erklärte, es sei die "Intention" der Regierung, zu den höheren Hilfen zurückzukehren, wenn der Haushalt es wieder erlaube.

In der vergangenen Woche hatte Premierminister Boris Johnson das größte Investitionsprogramm für das britische Militär seit dem Ende des Kalten Krieges angekündigt. Umgerechnet 18,5 Milliarden Euro sollen demnach zusätzlich in die Verteidigung des Landes investiert werden. Zugleich kündigte Johnson an, die in England geltenden strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus Anfang Dezember aufzuheben. "Der Fluchtweg ist in Sicht", teilte er dem Parlament Anfang der Woche mit.

Quelle: ntv.de, mau/AFP