Wirtschaft

"Gravierende" Corona-Folgen Firmen bieten weniger Ausbildungsplätze

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Rund 15.000 Firmen nahmen an der DIHK-Ausbildungsumfrage teil.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Pandemie hinterlässt auch ihre Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr dürfte es 2020 laut einer Umfrage unter deutschen Firmen rund sieben Prozent weniger Ausbildungsplätze geben. Dennoch bleiben die Übernahmeperspektiven für Fachkräfte gut.

In diesem Jahr wird das Angebot an Ausbildungsplätzen aufgrund der Corona-Pandemie und der anhaltend hohen Studierneigung wohl um rund sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau bleiben. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Insgesamt habe die Corona-Pandemie "gravierende Auswirkungen" auf die Beschäftigung in Deutschland, erklärte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. "Die Bewerbungsprozesse in den Unternehmen sind ins Stocken geraten. Einstellungen verzögern sich vielerorts. Es gibt aber immer noch vielfältige Chancen", sagte Dercks anlässlich der Vorstellung der jüngsten DIHK-Ausbildungsumfrage bei über 15.000 Firmen.

Insgesamt lasse sich die Entwicklung des Ausbildungsmarktes in diesem Krisenjahr schwerer abschätzen als in den Vorjahren. Viele Unternehmen hätten noch nicht abschließend über die Zahl ihrer Ausbildungsplätze entschieden. "Das zeigt, dass aktuelle Anstrengungen zur Vermittlung, aber auch Anreize durch finanzielle Unterstützung Sinn machen", so Dercks. Die Corona-Pandemie habe den Dialog zwischen Azubis und Betrieben für zwei bis drei Monate nahezu ausgesetzt. Bei vielen Unternehmen gebe es daher auch kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch unbesetzte Ausbildungsplätze.

Trotz angespannter Arbeitsmarktlage bleiben die Übernahmeperspektiven für ausgebildete Fachkräfte gut. Laut der Umfrage wollen 62 Prozent der Betriebe alle ausgelernten Azubis übernehmen. Im Jahr 2016 waren es 68 Prozent. Zudem ist insgesamt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt der Studie zufolge besser als während der Finanzkrise im Jahr 2009. Denn im Jahr 2020 werden knapp 100.000 mehr Ausbildungsplätze bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet als 2009 - bei insgesamt heute 120.000 weniger Schulabgängern, so der DIHK. "Dies unterstreicht, dass die Sicherung ihres Fachkräftebedarfs für Unternehmen auch weiterhin ein entscheidender Erfolgsfaktor ist und sie in den Erhalt der Ausbildungskapazitäten investieren, wo immer es ihnen möglich ist", sagte Dercks.

Nachholbedarf bei Digitalisierung

Derzeit zeigt sich ein insgesamt höheres Angebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zu 2019 nur in der Baubranche und im Bereich Gesundheit/Pflege. Darüber hinaus gibt es Branchen, die das Angebot unterdurchschnittlich stark reduzieren und somit etwas stärker zum Erhalt des Ausbildungsplatzangebots beitragen, so die Umfrageergebnisse. Dazu gehören Immobilien, Banken/Versicherungen, IT und Handel. Branchen hingegen, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen wurden, reduzieren ihr Ausbildungsplatzangebot überproportional stark. Dazu zählen beispielsweise das Gastgewerbe, Medien, die Industrie und unternehmensorientierte Dienstleister.

Die Corona-Krise hat der Umfrage zufolge die unzureichende Digitalisierung in Deutschland noch stärker hervorgehoben. "Nachholbedarf hat sich vor allem an den Berufsschulen gezeigt. Dort ist eine zeitgemäße Ausstattung dringend erforderlich", so die DIHK-Studie. Bei der Umsetzung des Digitalpakts wünschen sich die IHK-Ausbildungsbetriebe zu 74 Prozent das Angebot einer Lernplattform, gefolgt von Blended-Learning-Angeboten für ihre Auszubildenden (64 Prozent).

Quelle: ntv.de, rfü/DJ/dpa