Wirtschaft

Schlimmer als in der FinanzkriseFirmenpleiten 2025 auf höchstem Stand seit 20 Jahren

08.01.2026, 16:02 Uhr
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Auch immer mehr stationäre Einzelhändler schließen. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Die anhaltende Wirtschaftskrise zwingt immer mehr Firmen zur Geschäftsaufgabe. Die Zahl der Insolvenzen ist 2025 sogar höher als während der Finanzkrise 2009. Auch für das begonnene Jahr erwarten Wirtschaftsinstitute keine Trendwende.

Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland ist 2025 einer Studie zufolge wegen der Konjunkturkrise so hoch ausgefallen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt habe es 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gegeben - der höchste Stand seit 2005, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte. "Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund fünf Prozent niedriger", hieß es. Insgesamt waren etwa 170.000 Arbeitsplätze betroffen. Das sei ebenfalls ein sehr hoher Wert. Wie schon 2024 waren demnach auch im vergangenen Jahr besonders viele Jobs im Verarbeitenden Gewerbe betroffen - insgesamt rund 62.000.

Dem Institut zufolge lassen sich die vielen Fälle nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Corona-Pandemie und der jahrelangen Niedrigzinspolitik erklären. "Die aktuell hohen Insolvenzzahlen spiegeln immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider", sagte Steffen Müller, der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, angesichts der schwachen Konjunktur und strukturellen Probleme. Extrem niedrige Zinsen sowie umfangreiche staatliche Hilfen hatten Insolvenzen zunächst über Jahre hinweg verhindert. Mit dem Zinsanstieg und dem Wegfall der Subventionen seien ab 2022 zwar Nachholeffekte ausgelöst worden.

"Mittlerweile aber dürften die Nachholeffekte an Kraft verloren haben", sagte Müller. Insolvenzen seien aber auch ein normaler Bestandteil der Marktwirtschaft. Sie stellten notwendige Marktbereinigungen dar und schafften Raum für zukunftsfähige Unternehmen.

Einer anderen Studie zufolge ist die Zahl der großen Firmenpleiten in Deutschland im vergangenen Jahr um rund 25 Prozent auf 471 gestiegen. Betroffen waren auch viele Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro, wie aus der Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg hervorgeht. "Die deutsche Wirtschaft ringt nicht mehr nur mit Kopfschmerzen - sie hat Fieber bekommen", sagte Studienautor und Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt. Seit dem Tiefpunkt nach der Corona-Pandemie 2021 habe sich die Zahl der Großinsolvenzen nahezu verdreifacht.

Verarbeitende Industrie weiter unter Druck

Auch für das begonnene Jahr erwarten die Experten keine Trendwende. Falkensteg rechnet für 2026 mit einem weiteren Anstieg der Großinsolvenzen um zehn bis 20 Prozent auf rund 530 Fälle. Vor allem die verarbeitende Industrie dürfte unter Druck bleiben. "Die deutsche Wirtschaft wird 2026 nur schleppend auf die Beine kommen, weil sich mehrere strukturelle Bremsen wie schleichender Wettbewerbsverlust, Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie und stockende Investitionen überlagern", hieß es.

Der für Februar erwartete neue Fünfjahresplan Chinas, der auf technologische Eigenständigkeit zielt, dürfte den Wettbewerbsdruck auf deutsche Schlüsselbranchen wie den Maschinenbau und die Automobilindustrie weiter erhöhen.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Auf Basis dieser Indikatoren erwartet Insolvenzforscher Müller für das erste Quartal 2026 weiterhin sehr hohe Zahlen. Bis zuletzt zeigte der Trend nach oben: Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland lag dem IWH zufolge im Dezember bei 1519. Das seien 17 Prozent mehr als im Vormonat November, 14 Prozent mehr als im Vorjahresmonat Dezember 2024 und 75 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Dezember der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.

Quelle: ntv.de, bho/rts

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