Wirtschaft

Wirtschaft wird nicht aufholen Forscher rät Osten dringend zu Zuwanderung

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Die ostdeutsche Wirtschaft wird den Abstand zum Westen wohl nicht verkürzen.

(Foto: imago images / Rainer Weisflog)

In einigen Regionen Ostdeutschlands wird die Beschäftigtenzahl in den nächsten zehn Jahren um ein Drittel sinken. Die Lücke könne nur durch Zuwanderer geschlossen werden, schreibt ein Ifo-Experte. Diese müssten mit staatlicher Hilfe gelockt und dann mit Nachdruck gehalten werden. Doch es gibt ein Problem.

Ohne deutlich mehr Zuwanderer aus Drittstaaten wird Ostdeutschland seinen wirtschaftlichen Rückstand kaum aufholen können. Rückkehrer aus Westdeutschland und EU-Einwanderer allein werden den absehbaren Arbeitskräftemangel nicht beheben können, schreibt der Vize der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts, Joachim Ragnitz, in der Zeitschrift "ifo Dresden berichtet". In einzelnen ostdeutschen Regionen "wird die Zahl der Erwerbsfähigen bis 2030 um rund ein Drittel zurückgehen". Erst am Vortag hatte das Dresdner Ifo-Institut eine Studie vorgelegt, wonach die Einwohnerzahl in den neuen Bundesländern so niedrig ist wie zuletzt 1905.

Laut Ragnitz zeigen weitere Projektionen, dass kein ostdeutsches Bundesland unter auch nur halbwegs plausiblen Annahmen bis 2035 auf das Westniveau aufschließen könne. Ausgenommen sei Sachsen, das sein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf dann knapp 80 Prozent des Bundes-Wertes steigern dürfte - eine Zunahme von fünf Prozentpunkten. Die übrigen Ost-Länder würden "bestenfalls ihr heutiges relatives Niveau halten können".

Die Folgen der Bevölkerungsentwicklung seien aber noch viel dramatischer, schreibt Ragnitz weiter. Denn abgewandert seien in der Vergangenheit vor allem besser qualifizierte Bevölkerungsgruppen, insbesondere aus den ländlichen Regionen. Unternehmen finden nun kaum noch Arbeitskräfte. Diese Lücke könne nur durch Zuwanderung geschlossen werden, so der Ifo-Forscher. "Wenn die Stellen nicht besetzt werden, sind negative Wachstumswirkungen zu erwarten." Bislang beträgt der Anteil an Personen aus Drittstaaten in den ostdeutschen Flächenländern aber nur 1,8 Prozent, bundesweit sind es 5,4 Prozent.

Zulagen und Auflagen

Ragnitz bezweifelt, dass die für die Region typischen kleinen und mittleren Unternehmen eigenständig im Ausland suchen könnten: "Sie brauchen staatliche Unterstützung, um gezielt Arbeitskräfte anzuwerben." Um die Attraktivität der ostdeutschen Länder für ausländische Arbeitnehmer zu steigern, müssten die Löhne steigen, die allgemeinen infrastrukturellen Bedingungen verbessert und bestehende Imageprobleme abgebaut werden.

Ferner plädiert Ragnitz für eine finanzielle Unterstützung für den Umzug, günstige Wohnraumangebote, Kredite für die Sanierung sowie eine Wohnsitzauflage, um den schnellen Wegzug von Zuwanderern zu verhindern. Damit Unternehmen auch bereit sind, Nicht-EU-Ausländer zu beschäftigen, "müsste insbesondere an wohl bestehenden Ressentiments in der ostdeutschen Bevölkerung angesetzt werden".

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das der Bundestag in der vergangenen Woche verabschiedet hat, sei zwar ein richtiger erster Schritt, sagte Ragnitz. "Meine Sorge ist aber, dass es nicht weit genug geht." So werde die Möglichkeit einer befristeten Einreise zur Arbeitsplatzsuche erst einmal auf fünf Jahre beschränkt. Auch könne die Vorrangprüfung in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit kurzfristig wieder außer Kraft gesetzt werden. "Das betrifft genau die Ost-Regionen. Das geht in die falsche Richtung", sagte Ragnitz. Statt den geplanten 25.000 Einwanderern seien mindestens um die 100.000 pro Jahr nötig. Die Wirkung des Gesetzes werde daher wohl "bescheiden" sein, so Ragnitz.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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