Wirtschaft

Mehr Effizienz, geringere Kosten Fresenius stellt alles auf den Prüfstand

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Fresenius will das Ruder rumreißen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Gesundheitskonzern Fresenius hat mit der Corona-Krise zu kämpfen. Zur Belebung ist selbst ein Konzernumbau nicht ausgeschlossen. Zunächst sollen aber Einsparungen helfen. Außerdem will das Unternehmen seine Stärken besser zur Geltung bringen.

Mit dem Rotstift in der Hand stemmt sich der Gesundheitskonzern Fresenius in der Corona-Krise gegen den Wind. "Corona bleibt eine ganz erhebliche Belastung", sagte Vorstandschef Stephan Sturm. "Umso mehr gilt es, unsere Effizienz zu steigern und damit unsere Kostenbasis zu verbessern." Auch die Konzernstruktur wird auf lange Sicht hinterfragt: "Nicht kurzfristig, aber ich glaube, wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob wir vom Kapitalmarkt die Wertschätzung erfahren, die wir aus unserer Sicht verdienen. Deswegen sollten wir ohne jedes Dogma auch an unsere Konzernstruktur herangehen."

In den vergangenen zwölf Monaten hat Fresenius an der Börse rund 28 Prozent beim Kurs eingebüßt und ist jetzt noch knapp 20 Milliarden Euro wert. Die Dialysetochter FMC, die wie Fresenius im Dax gelistet ist, verlor im gleichen Zeitraum 23 Prozent. Für Sturm wird Fresenius vom Kapitalmarkt "in zunehmendem Maße bestraft, dass wir eine gewisse Komplexität aufweisen".

Zum Konzern mit weltweit mehr als 311.000 Mitarbeitern gehören neben FMC noch die Klinikette Helios, die Tochter Kabi, die Medikamente und Medizinprodukte zur Infusion, Transfusion und klinischen Ernährung anbietet, sowie die Dienstleistungssparte Vamed. Sturm hatte in der Vergangenheit wiederholt gesagt, dass eine separate Börsennotierung von Sparten nicht geplant sei.

Hidden champions ins Licht rücken

Sturm sagte, die breite Aufstellung habe für Fresenius "eine ganze Menge Vorteile". "Nichtsdesto trotz dürfen wir natürlich nicht die Augen davor verschließen, was unter den großen institutionellen Investoren eben Vorlieben sind." Plan sei aber, dass der Konzern seine Wachstumsstrategie weiter umsetze, Ergebnissteigerungen erziele und so eine höhere Profitabilität und Bewertung erreiche. "Wenn sich das wider Erwarten nicht bewahrheitet, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir in der aktuellen Struktur richtig aufgestellt sind." Ziel sei es, mehr Schlaglicht auf sogenannte hidden champions innerhalb des Konzerns zu werfen.

Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten wegen der Corona-Pandemie will Sturm gegensteuern, um die mittelfristigen Ziele bis 2023 - die er bekräftigte - zu sichern. Geplant sind unter anderem "Maßnahmen zur Effizienzsteigerung", Kostensenkungen und eine Stärkung der Bilanz. Auch Stellenstreichungen schloss Sturm nicht aus, Details sollen zur Quartalsberichterstattung Anfang Mai veröffentlicht werden.

Wachstumsfelder wie das Geschäft mit Biotech-Nachahmermedikamenten, digitale medizinische Angebote, Heimdialyse und Kinderwunschbehandlungen will Sturm ausbauen. Vom Sparprogramm bei Fresenius verspricht sich der Manager Ergebnisverbesserungen von jährlich mindestens 100 Millionen Euro nach Steuern und Anteilen Dritter ab 2023. Es fallen bis dahin allerdings auch erhebliche Aufwendungen in ähnlicher Größenordnung an.

Noch stärker wird bei der Dialystochter FMC durchgegriffen, die besonders von der Pandemie betroffen ist und in diesem Jahr dadurch zum Bremsklotz für Fresenius wird. Deren weltweites Betriebsmodell soll vereinfacht und die Digitalisierung des Unternehmens beschleunigt werden. Mit Investitionen von bis zu 500 Millionen Euro bis 2025 sollen Kosten gesenkt und eine Verbesserung des operativen Ergebnisses um mindestens den gleichen Betrag bis dahin erreicht werden.

Dividende angehoben

FMC erwartet wegen der Corona-Krise in diesem Jahr einen Gewinneinbruch von bis zu 25 Prozent, wie der Konzern bereits Anfang Februar einräumen musste. Denn wegen der Pandemie sterben immer mehr Dialysepatienten von FMC an Covid-19. Der Konzern erwartet eine "mindestens in etwa stabile" Ergebnisentwicklung.

Ohne Berücksichtigung von FMC dürfte das währungsbereinigte Konzernergebnis im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich wachsen. Der Umsatz soll währungsbereinigt im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Im vergangenen Jahr baute der Konzern seinen Umsatz um zwei Prozent auf 36,3 Milliarden Euro aus, währungsbereinigt war es ein Plus von fünf Prozent. Das Konzernergebnis schrumpfte bereinigt um drei Prozent auf knapp 1,8 Milliarden. Die Aktionäre sollen gleichwohl eine vier Cent höhere Dividende von 88 Cent je Aktie erhalten.

Quelle: ntv.de, jwu/rts