Wirtschaft

"Zu wenig für extreme Kälte"Füllstand der Gasspeicher erreicht historisches Tief

08.09.2026, 10:14 Uhr
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Dem Verband Ines zufolge ist die Auffüllung der Gasspeicher auf rund 77 Prozent technisch zwar noch möglich, aber eine Herausforderung. (Foto: dpa)

Der Iran-Krieg und eine ungünstige Preisentwicklung auf dem Gasmarkt wirken sich auf die Energieversorgung in Deutschland aus. Derzeit sind die Gasspeicher nur zu gut der Hälfte gefüllt. Das Bundeswirtschaftsministerium will nichts unternehmen - trotz Füllstandsvorgaben. Händler könnten diese ausnutzen.

Der Gasspeicher-Verband Ines warnt angesichts historisch niedriger Füllstände vor Engpässen bei der Erdgasversorgung im kommenden Winter. Die deutschen Speicher seien Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt, teilte die Initiative Energien Speichern (Ines) mit. Dies sei der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Vor einem Jahr habe der Füllstand rund 71 Prozent betragen.

Den Szenarien des Verbandes zufolge kann technisch bis zum 1. November noch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreicht werden. Dafür müsste sich das Befüllungstempo jedoch erheblich erhöhen. In den verbleibenden zwei Monaten müsste mehr Gas eingespeichert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Ein Füllstand von 77 Prozent wäre laut dem Verband bei normalen Wintertemperaturen ausreichend, um die Versorgung zu gewährleisten. "Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 Prozent hingegen nicht aus", sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Dann könne es im Januar zu Unterdeckungen kommen.

Die im Vergleich zu den Vorjahren geringe Befüllung der Gasspeicher ist seit Monaten ein Thema. Als Grund für die schleppende Einspeicherung nennt der Verband die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, auf die sich der Iran-Krieg auswirkt. Nach der Sperrung der Meerenge von Hormus gestiegene Gaspreise und ein teilweise negativer sogenannter Sommer-Winter-Spread, also eine Marktsituation, in der Gas im Sommer teurer ist als in den darauffolgenden Wintermonaten, machten die Einspeicherung für Marktakteure unattraktiv. Händler kaufen Gas üblicherweise im billigen Sommer ein und verkaufen es im teureren Winter. Ist der Spread aber negativ, machen sie Verluste.

Wirtschaftsministerium lehnt staatliche Eingriffe ab

Ines fordert daher ein Maßnahmenpaket, das unter anderem eine Senkung von Speicherkosten vorsieht. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht indes bislang keinen Anlass, an der Versorgungssicherheit zu zweifeln. Das Ministerium verweist auf neue Terminals für Flüssigerdgas und Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und lehnt staatliche Eingriffe ab.

Insbesondere wegen der Gasspeichervorgaben steht dies dennoch im Raum. Die staatlichen Vorgaben besagen, dass die meisten Speicher bis zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen, was in vielen Fällen bereits kaum noch möglich ist. Werden die Ziele nicht erreicht, kann der Staat die Befüllung beauftragen - eine Befürchtung ist, dass Gasverkäufer darauf spekulieren, denn der Staat würde dann wohl zu jedem Preis einkaufen.

Ines ist der Interessenverband der deutschen Erdgas- und Wasserstoffspeicherbetreiber. Seine 17 Mitglieder repräsentieren nach eigenen Angaben über 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten und haben ein wirtschaftliches Interesse an einer hohen Auslastung der Anlagen.

Quelle: ntv.de, lar/rts/AFP

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