Wirtschaft

Ruf nach öffentlichen Aufträgen Für Baubranche endet das goldene Jahrzehnt

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Die Baubranche rechnet mit geringeren Erlösen im kommenden Jahr.

(Foto: picture alliance/dpa)

Rund zehn Jahre ging es in der Baubranche nur in eine Richtung: nach oben. Und auch in diesem Jahr gehört die Branche nochmal zu den Gewinnern. Doch im Sog der Corona-Pandemie endet das Wachstum. Firmen investieren weniger. Viele Büros und Hotels werden nicht gebaut. Dafür steigt der Bedarf an Logistikzentren.

Die Bauwirtschaft rechnet wegen der Folgen der Corona-Krise im kommenden Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt mit geringeren Umsätzen. Die Erlöse dürften 2021 um nominal rund ein Prozent auf 137 Milliarden Euro fallen, teilte der mittelständische Verband ZDB mit. Bereinigt um steigende Baupreise sei das sogar ein Minus von drei bis vier Prozent. Der jahrelange Wachstumstreiber Wohnungsbau bleibe zwar stabil, sagte ZDB-Präsident Reinhard Quast. Doch werde es im Wirtschaftsbau "einen stärkeren Rückgang geben".

Hintergrund sind die Umsatzeinbrüche bei Industrie und Dienstleistern. In der Folge würden Investitionen zurückgeschraubt. Deshalb müsse die öffentliche Hand in die Bresche springen und Bauprojekte anschieben, sagte Quast. "Geld ist da."

In diesem Jahr ist die Bauwirtschaft deutlich besser durch die Virus-Pandemie gekommen als andere Branchen. Der ZDB peilt für 2020 ein nominales Plus von zwei (real: minus ein) Prozent an. Die Zahl der Beschäftigten dürfte in diesem und im nächsten Jahr je um rund 5000 steigen und 2021 dann bei rund 880.000 liegen. Gut jeder fünfte Betrieb wolle einstellen.

Im laufenden Jahr habe der Bau vom hohen Auftragspolster von gut 52 Milliarden Euro zu Jahresbeginn mit einer Reichweite von sieben Monaten profitiert, sagte Quast. Beim Wohnungsbau habe es nur im April und Mai ein "Corona-Zittern" gegeben, seitdem ziehe die Nachfrage wieder an. In der Sparte erwartet der ZDB in diesem Jahr ein Umsatzplus von vier Prozent und 2021 von 2,5 Prozent. Man werde rund 300.000 Wohnungen fertigstellen.

Beim Wirtschaftsbau spürt die Baubranche indes seit März eine sinkende Nachfrage. In den Corona-Zeiten stellt sich laut Quast die Frage: "Wie viele Büros brauchen wir in Zukunft? Lohnt sich ein neues Hotel?" Stattdessen habe zuletzt die Nachfrage nach Logistikzentren angezogen. "Der verstärkte Online-Handel braucht eben Lagerflächen." Die Branche setzt vor allem auf Kommunen als Bauherren. "Die Investitionen der öffentlichen Hand haben uns so ein bisschen im Stich gelassen", sagte Quast. "Wir fordern nicht mehr Geld, wir fordern Aktionen."

Quelle: ntv.de, jwu/rts