Wirtschaft

Suche nach Airline-Investoren Germania steht Entscheidungswoche bevor

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Seit Februar dieses Jahres bleiben die Maschinen der Fluggesellschaft Germania am Boden.

(Foto: picture alliance/dpa)

"Wir rollen den roten Teppich aus für den Investor - rüberlaufen muss er schon selbst." Der vorläufige Insolvenzverwalter Wienberg sucht händeringend nach einer Lösung für Germania. Dabei verhandelt er mit mehreren Bietern parallel. Eine Garantie für eine Lösung gebe es nicht.

Die Zukunft der Pleite-Airline Germania entscheidet sich in der nächsten Woche. "Es wird ein Herzschlagfinale", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg mit Blick auf laufende Gespräche mit Investoren. "Ich verhandle parallel." Denn für ein Gesamtpaket aus Flugbetrieb, Wartung und technischen Dienstleistungen sei nur noch ein Bieter übrig geblieben. Zugleich spreche er mit zwei Interessenten über Einzellösungen - wie Wartungs- und Service-Leistungen der Germania-Töchter für Technik und Flugdienste. "Priorität hat immer noch eine Gesamtlösung."

Wienberg machte aber auch deutlich: "Wer zuerst den Abschluss macht, mit dem gehe ich auch über die Ziellinie." Eine Garantie für eine Einigung gebe es freilich nicht. "Ich bereite alle Optionen vor", sagte der Jurist. "Wir rollen den roten Teppich aus für den Investor - rüberlaufen muss er schon selbst." Zuletzt war ein Kandidat, mit dem die Verhandlungen am weitesten waren, aus dem Bieterverfahren ausgestiegen. Aus Branchenkreisen hieß es damals, dies sei die portugiesische Fluggesellschaft Hi Fly, die auf das Vermieten von Flugzeugen spezialisiert ist. Wienberg räumte großen Zeitdruck ein, da der Bieterprozess bis Ende März abgeschlossen sein müsse. "Nächste Woche dürfte etwas passieren."

Wenn alles optimal läuft, könnte ein Teil des Flugbetriebs wieder hochgefahren werden, signalisierte Wienberg. "Sollte es eine Einigung mit dem strategischen Investor geben, dürfte es aber um deutlich weniger Flugzeuge gehen als die zuletzt 27 Maschinen."

Der Ferienflieger Germania hatte am 4. Februar Insolvenz angemeldet und sofort den Betrieb eingestellt. Die Berliner Airline hatte damals rund 1700 Beschäftigte. Seitdem dürften viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben - zum einen wegen der unsicheren Perspektiven für eine Fluggesellschaft, die am Boden bleiben müsse. Zum anderen machten Konkurrenten auf Wachstumskurs dem Germania-Personal umgehend Job-Avancen.

Ermittlungen gegen Germania-Chef

Auch Wienberg äußerte sich optimistisch zu den Chancen von Mitarbeitern, die letztlich womöglich nicht übernommen werden. "Der Arbeitsmarkt saugt derzeit noch viel auf." Denn zahlreiche Unternehmen bräuchten Fachkräfte. "Piloten werden händeringend gesucht." Dies gelte auch für Techniker. "Beschäftigte aus der Verwaltung dürften ebenfalls woanders gute Jobchancen haben."

"Die Vergangenheitsbewältigung beginnt erst nach dem Prozess", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. "Dann werden wir den Zeitpunkt des Insolvenzantrags, Anfechtungs- und Haftungsansprüche sowie alle Vermögenstransfers prüfen."

Für die Berliner Staatsanwaltschaft hat diese Vergangenheitsbewältigung bereits begonnen. Sie ermittelt gegen Germania-Chef und Eigentümer Karsten Balke wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Betrugs. So soll das Management noch Flugtickets verkauft haben, als die Airline schon zahlungsunfähig war, sagte ein Justizsprecher.

Quelle: n-tv.de, fzö/rts