Wirtschaft

Schreiben aus dem Gefängnis Ghosn ist nicht mehr Renault-Chef

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Seit Ende November in Japan in Haft: Carlos Ghosn.

(Foto: dpa)

Nach Nissan nun Renault: Der in Japan inhaftierte Carlos Ghosn räumt den Chefsessel beim französischen Autobauer. Seine Nachfolger sind auch schon gefunden. Ghosns bisheriger Vize Bolloré und der scheidende Michelin-Chef Senard übernehmen die Führung.

Der seit mehr als zwei Monaten in Japan inhaftierte Renault-Chef Carlos Ghosn hat seinen Rücktritt eingereicht. Das sagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire am Rande des Weltwirtschaftsgipfels im schweizerischen Davos. Der Verwaltungsrat von Renault entscheidet noch heute über die Nachfolge Ghosns.

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Renault habe am Mittwochabend das Rücktrittsschreiben von Ghosn erhalten, sagte Le Maire weiter. Der französische Staat ist Großaktionär bei dem Autobauer.

Renault setzte daraufhin eine neue Führung ein. Wie der Verwaltungsrat in Boulogne-Billancourt bei Paris mitteilte, werden Ghosns Kompetenzen aufgeteilt. Sein bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré leite nun als Generaldirektor dauerhaft das operative Geschäft. Der scheidende Michelin-Chef Jean-Dominique Senard übernehme den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat. Der 65-Jährige sei für die Auto-Allianz mit dem japanischen Hersteller Nissan verantwortlich, hieß es in der Mitteilung.

Zuvor hatten bereits die japanischen Konzerne Nissan und Mitsubishi Ghosn als Verwaltungsratschef abgesetzt. Sie bilden mit Renault eine Allianz. Ghosn war Mitte November in Tokio festgenommen worden. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die japanische Staatsanwaltschaft wirft dem 64-Jährigen vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

Untersuchungen laufen noch

Die Ablösung Ghosns in Frankreich kam nicht überraschend. Le Maire hatte zuvor mit deutlichen Worten eine Nachfolge gefordert. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei. Ghosn hatte bisher ungeachtet der Anschuldigungen in Japan bei Renault den Titel Président-directeur général behalten. Der Traditionshersteller hatte aber bereits nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe in Japan Ghosns bisherigem Stellvertreter Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen. Renault stellte danach bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug fest. Weitere Untersuchungen für die Jahre davor laufen aber noch.

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme war Ghosn von Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert worden. Insbesondere in Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des von Ghosn aufgebauten und kontrollierten Auto-Imperiums. Erst am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ghosn unerlaubt Millionenbeträge von einer niederländischen Tochterfirma kassiert haben soll.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP/dpa

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