Wirtschaft

Präsident findet's "FANTASTISCH"Goldener Trump-Koloss soll Krypto-Investoren reich machen

11.02.2026, 13:37 Uhr image (2)Von Hannes Vogel
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Kann Trump der Versuchung widerstehen, ein goldenes Denkmal von sich selbst aufzustellen? (Foto: AP)

Investoren haben dem US-Präsidenten ein Denkmal gebaut: Eine überlebensgroße Goldstatue soll schon bald in Trumps Golf-Resort nahe Miami stehen. Sie ist eine Huldigung der Krypto-Szene an ihren Förderer und ein Versuch, aus der Nähe zum Präsidenten Kapital zu schlagen.

Viereinhalb Meter ist sie groß und komplett mit Blattgold überzogen: Die Statue mit dem Spitznamen "Don Colossus" ist nicht der erste, aber optisch ein besonders auffälliger Versuch, vom Faible des US-Präsidenten für pompöse Selbstdarstellung und Trumps enger Verbindung mit der Kryptowährungsszene zu profitieren. 300.000 Dollar haben die Auftraggeber hinter dem Koloss ausgegeben, um nach eigenen Worten "Donald Trumps triumphalem Aufstieg zur Macht Tribut" zu zollen.

Die Statue zeigt ihn mit hochgerecktem rechtem Arm und zur Faust geballter Hand - die ikonische Pose, die auf Fotos nach dem gescheiterten Attentat auf Trump im Sommer 2024 um die Welt ging. Doch nicht nur mit dem vielen Blattgold schmeicheln sich die Initiatoren unverhohlen beim US-Präsidenten ein, sie halten sich auch nicht mit verbaler Lobhudelei zurück: "Donald Trump ist der bedeutendste Amerikaner seit Jahrzehnten und wir haben dafür gesorgt, dass seine Statue so riesig ist wie seine Persönlichkeit", heißt es in einem Social-Media-Post der Initiatoren. "In Amerikas goldenem Zeitalter wird es eine goldene Statue des Mannes geben, der all das möglich gemacht hat."

Seit Monaten rühren die "Don-Colossus"-Investoren in sozialen Medien mit Fotos des goldenen Riesen-Trumps die Werbetrommel. Gleich nach dem Attentat im Wahlkampf 2024 hatten sie den Memecoin "$Patriot" auf den Markt gebracht - eine rein spekulative Krypto-Währung, die immer gerade so viel wert ist, wie die Trump-Anhänger bereit sind zu zahlen. Seine Macher priesen die Digitalwährung als "Krypto-Token des Volkes" an, der "gelauncht wurde, um an den historischen Wendepunkt zu erinnern, der Präsident Donald Trump an die Macht katapultiert hat." Der Marketing-Coup, der den "$Patriot"-Kurs pushen soll, ist der goldene Trump-Koloss.

"Sieht FANTASTISCH aus"

Hinter all dem stecken Dustin Stockton, ein rechter Aktivist, Brock Pierce, ein umstrittener Krypto-Investor mit politischen Verbindungen, und Ashley Sansalone, ein Krypto-Entwickler aus Arizona. Sansalone sammelte vor drei Jahren schon einmal Geld ein, um mit einer gigantischen Plastik Aufmerksamkeit zu erzeugen. Damals wurde der reichste Mensch der Welt, Elon Musk, bildhauerisch verewigt, um einen Musk-Fancoin zu promoten. Für die Trump-Plastik engagierten die Krypto-Unternehmer Alan Cottrill, einen renommierten Künstler aus Ohio, der bereits Statuen von mehr als einem Dutzend Ex-Präsidenten geschaffen hat.

Dabei sucht das "$Patriot"-Trio die direkte Nähe zu Trumps Umfeld. Kurz nach dessen Amtseinführung verliehen die Krypto-Unternehmer Miniatur-Versionen ihrer Statue als "Patriot Awards" an Trump-Flüsterer wie dessen Ex-Berater Steve Bannon. Den wegen Betrugs zu Gefängnis verurteilten Ex-Republikaner George Santos, den Trump begnadigt hat, schickten sie mit einer Figur zu einem Werbeauftritt bei "Fox News".

Offiziell bestreitet die Trump-Organisation jede Verbindung zu "$Patriot". "Wir haben mit diesem Coin nichts zu tun", postete Trumps Sohn Eric auf X, nachdem die "New York Times" das Weiße Haus in der Sache konfrontiert hatte. Dennoch wurde in Trumps Golfresort Doral bei Miami im Januar ein Sockel für "Don Colossus" fertiggestellt, wie Fotos in sozialen Medien zeigen.

Der mit Trump befreundete Pastor Mark Burns hat laut der Zeitung bereits an die "$Patriot"-Macher berichtet, dass Trump der Enthüllung ihrer Statue in seinem Hotel beiwohnen wolle. "Sieht FANTASTISCH AUS", soll Trump in typischer Großschreibung im Dezember dem Mann getextet haben, der als sein spiritueller Berater und Vertrauter gilt. Demnach sollen Mitarbeiter im Weißen Haus schon nach einem Termin für die Zeremonie suchen.

Der goldene Riesen-Trump ist ein plumper, aber nicht der einzige Versuch, von dem Krypto-Hype zu profitieren, den der US-Präsident mit laxer Regulierung angeheizt hat - und an dem er selbst mit seiner Familie Milliarden verdient. Andere Krypto-Akteure haben bereits vorgemacht, wie man sich Zugang zum US-Präsidenten erkauft: Die 25 Top-Investoren seines eigenen Memecoins hatte Trump im vergangenen Jahr zu einem exklusiven Gala-Dinner in seinen Golfklub und zur VIP-Tour ins Weiße Haus geladen.

Bei Trumps Krypto-Firma World Liberty Financial (WLFI) verschwimmen die Grenzen zur Regierungspolitik. Ihr größter Anteilseigner ist der Sicherheitschef der Vereinigten Arabischen Emirate, der sich heimlich mit 500 Millionen Dollar bei Trump einkaufte.

Ob die Macher der Gold-Statue sich auch Gegenleistungen vom Weißen Haus versprechen wie der Scheich, dessen Land Trump plötzlich Zugang zu KI-Chips gewährte, oder Krypto-Milliardär Justin Sun, der nach 75 Millionen Dollar Investment in Trumps WLFI plötzlich Ermittlungen der Börsenaufsicht loswurde, ist bislang nicht bekannt. Klar ist, dass sie mit der Aufmerksamkeit für ihre Trump-Statue vor allem eins wollen: Geld machen.

Schon Anfang 2025 war "Don Colossus" fertig. Eigentlich sollte die Statue bei Trumps Amtseinführung enthüllt werden. Wenige Tage davor hatte die zugehörige Fantasiewährung "$Patriot" ihren Zenit erreicht: fast 80 Millionen Dollar Marktkapitalisierung. Doch das schlechte Wetter in Washington kam dazwischen. Ebenso wie eine unvorhersehbare Entwicklung: Mit "$Trump" brachte der US-Präsident überraschend einen eigenen Memecoin auf den Markt, um selbst abzukassieren. "$Patriot" stürzte ins Bodenlose. Heute liegt der Marktwert bei gerade noch zwei Millionen Dollar.

Die Beteiligung von Pastor Mark Burns hat dem Projekt aber wieder Leben eingehaucht. Denn er hat offenbar den direkten Draht zu Trump: "Der Präsident hat mich gerade um Fotos seiner Statue in Goldoptik gebeten", soll er laut der "New York Times" an seine Mitstreiter geschrieben haben. Nun hängt alles davon ab, ob Trump die Statue tatsächlich in seinem Resort aufstellen lässt.

Die Frage ließ eine Sprecherin der Trump-Organisation auf Anfrage der Zeitung unbeantwortet. Doch die Chancen stehen gut, dass Trump seiner Selbstvergoldung nicht widerstehen kann. Schließlich lässt er kaum eine Gelegenheit aus, sich selbst ein Denkmal zu setzen: In Washington will er einen riesigen Triumphbogen bauen. Zum 250. Geburtstag der USA in diesem Jahr lässt er sein Gesicht auf eine Gedenkmünze prägen. Dem weltberühmten Kulturzentrum Kennedy-Center hat er seinen eigenen Namen aufgedrückt. Und die neueste Schlachtschiff-Generation der US Navy soll "Trump-Klasse" heißen.

Bis der goldene Traum womöglich wahr wird, muss allerdings noch ein Problem aus der Welt geschafft werden: Bildhauer Alan Cottrill fordert noch 90.000 Dollar von den "$Patriot"-Machern. "Sie haben die Markenrechte für das Kunstwerk nicht gekauft und benutzen es illegal", sagte er der "New York Times". "Diese Statue wird meine Werkstatt nicht verlassen, bis alles bezahlt wurde, was sie mir schulden."

Quelle: ntv.de

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