Wirtschaft
Weitere Kündigungen und Filialschließungen sind nicht geplant.
Weitere Kündigungen und Filialschließungen sind nicht geplant.(Foto: picture alliance / Daniel Karman)
Dienstag, 31. Januar 2017

Modekette bleibt in der Familie: Gründer-Neffe wird neuer Chef bei Wöhrl

Was bislang nur Experten mutmaßen, ist nun offiziell: Im Bieterstreit um die insolvente Modekette Wöhrl setzt sich ein Enkel des Firmengründers durch. Unbekannt ist der 38-Jährige im Unternehmen nicht.

Die fränkische Modehaus-Kette Wöhrl bleibt nach der Pleite in der Familie: Christian Greiner, ein Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl, soll das Nürnberger Traditionsunternehmen zum 1. März übernehmen, wie Vorstandschef Andreas Mach mitteilt.

Christian Greiner.
Christian Greiner.(Foto: picture alliance / Tobias Hase/d)

Der 38 Jahre alte Greiner ist seit 2011 Marketing-Chef der börsennotierten Kaufhaus-Kette Ludwig Beck - und will das auch bleiben, wie Mach betonte. Von 2004 bis 2007 war Greiner Geschäftsführer von Wöhrl. Da seine Eltern nicht verheiratet waren, trägt er den Namen seiner Mutter.

Mach und Sanierer Christian Gerloff hatten in der Insolvenz beschlossen, vier der 34 Wöhrl-Häuser und drei Fabrikverkaufs-Läden zu schließen. Weitere Kündigungen und Filialschließungen seien nicht geplant, erklärte Mach, der im Amt bleiben soll. 95 Prozent der 2000 Arbeitsplätze seien trotz der Pleite erhalten worden, sagte Gerloff.

Die Rudolf Wöhrl AG, die bisher der Familie von Gründer-Sohn Gerhard Wöhrl gehörte, hatte sich im September in die Insolvenz geflüchtet. Sie hatte sich mit der Übernahme der Bekleidungskette SinnLeffers übernommen. Diese soll separat verkauft werden. "Am Ende des Tages werden beide getrennt voneinander am Markt agieren", sagte Gerloff.

"Die Enkel-Lösung ist vom Tisch"

Ursprünglich wollten die sieben Enkel des Gründers Wöhrl retten. Nun übernimmt die zweite Familienlinie das Ruder. "Die Enkel-Lösung ist vom Tisch", sagt Gerloff.

Greiner ist noch auf der Suche nach Co-Investoren, um die nötigen Investitionen zu finanzieren. "Es braucht einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, um Wöhrl wieder flott zu machen", sagte Mach.Möglich sei, dass Greiners Vater Hans-Rudolf Wöhrl wieder einsteige, der 2011 aus dem Unternehmen seines Bruders Gerhard ausgestiegen war.

Hans-Rudolf Wöhrl ist als Luftfahrt-Unternehmer (Deutsche BA) bekannt geworden, ist aber auch Großaktionär von Ludwig Beck. Die Gläubiger dürften mit einer überdurchschnittlich hohen Insolvenzquote von 10 bis 20 Prozent rechnen.

Nach den Schlappen des Brennstoffherstellers German Pellets droht damit der nächste Ausfall einer Mittelstandsanleihe: Denn dies bedeutet auch für die Zeichner einer 30 Millionen Euro schweren Wöhrl-Anleihe - vor allem Privatanleger aus Franken – den Verlust von 80 bis 90 Prozent ihres Einsatzes.

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Quelle: n-tv.de