US-Börsen fallenGute Nvidia-Zahlen können Sorgen vor KI-Blase nicht zerstreuen

Der KI-Vorreiter Nvidia präsentiert einen Rekordumsatz und einen Gewinnsprung. Trotzdem geht es für die Aktie klar nach unten. Volatil bleiben nach den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran auch die Ölpreise.
Überwiegend im Minus haben die US-Aktien den Handel beendet. Der Dow-Jones-Index schloss kaum verändert bei 49.499 Punkten. Der S&P-500 büßte 0,5 Prozent ein, und der Nasdaq-Composite fiel um 1,2 Prozent. Den 1688 (Mittwoch: 1589) Kursgewinnern an der Nyse standen 1059 (1147) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 73 (94) Titel.
Im Fokus standen die am Vorabend nach der Schlussglocke veröffentlichten Geschäftszahlen von Nvidia und deren Einordnung. Der Chip-Hersteller hat im vierten Quartal einen Gewinnsprung und einen Rekordumsatz erzielt, damit die Sorgen wegen einer möglichen Blase bei Künstlicher Intelligenz (KI) aber offenbar nicht nachhaltig zerstreut, so Marktteilnehmer. Nettogewinn und Umsatz übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich. Auch der Ausblick auf das laufende Quartal übertraf die Schätzungen des Marktes.
Gleichwohl ging es mit der Nvidia-Aktie um 5,5 Prozent nach unten. Die Volatilität im Handel mit KI-Aktien dürfte trotz der starken Ergebnisse von Nvidia andauern, erläuterte Charu Chanana, Chef-Anlagestrategin bei Saxo Markets. Die KI-Story sei inzwischen ausgereift und Anleger wollten nun Beweise für die Monetarisierung und Ausgabendisziplin sehen, so die Strategin. Es könnten sich die KI-Wegbereiter entlang der Lieferkette, von der Stromversorgung über die Kühlung bis hin zur Vernetzung, als widerstandsfähiger erweisen. Ein Marktteilnehmer verwies zudem auf vage Aussagen zum China-Absatz bei Nvidia.
Der Abschlag der Nvidia-Aktie sage wahrscheinlich mehr über den breiteren Markt aus als über die Ergebnisse des Unternehmens, hieß es. Investoren hätten die ersten Monate des Jahres 2026 damit verbracht, sich darüber Sorgen zu machen, wie KI Branchen wie den Software-Sektor sowie die aggressiven Kapitalausgabepläne der großen Technologiekonzerne umkrempeln könnte.
Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt ist derweil nach wie vor recht gut. Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung legte in der Woche zum 21. Februar zu, blieb aber auf insgesamt niedrigem Niveau. Im Vergleich zur Vorwoche stieg die Zahl der Anträge auf saisonbereinigter Basis um 4000 auf 212.000. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Anstieg auf 215.000 vorhergesagt.
Paramount-Aktien legen kräftig zu
Bei den Einzelwerten kletterten die Aktien von Salesforce um 4 Prozent. Die Quartalszahlen des SAP-Konkurrenten fielen zwar besser als erwartet aus, der Ausblick blieb auf der Umsatzseite aber unter der Markterwartung. CEO Marc Benioff betonte in einer Telefonkonferenz, er lasse sich von dem Ausverkauf bei Softwareunternehmen in den vergangenen Wochen nicht beirren.
Die Papiere von Nutanix stiegen um 4,1 Prozent. Das Cloud-Computing-Unternehmen hat sich mit AMD (-3,4%) für ein 250-Millionen-Dollar-Projekt zusammengetan, um eine Infrastrukturplattform zur Unterstützung von KI-Anwendungen zu entwickeln.
Die Aktien von Paramount gewannen 10 Prozent, nachdem das Unternehmen inmitten seiner Bemühungen um die Übernahme des Rivalen Warner Bros. Discovery durchwachsene Ergebnisse vorgelegt hatte. Die Aktien von Warner Bros. Discovery sanken nach Zahlen um 0,4 Prozent. Die Zahlen spielten derzeit aber nur eine untergeordenete Rolle, hieß es aus dem Handel.
Der Goldpreis zog leicht an. Das Edelmetall profitiert übergeordnet weiter von seinem Status als "sicherer Hafen" mit Blick auf den Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Die Gewinne würden jedoch durch die Sorge gebremst, dass die US-Zinsen noch einige Zeit unverändert bleiben könnten, erklärten Marktteilnehmer.
Die Ölpreise zeigten sich weiterhin recht volatil; sie hängen an den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran. Eine Lösung des Konflikts würde den Markt dazu veranlassen, schrittweise einen Risikoaufschlag von bis zu 10 Dollar pro Barrel abzubauen, der nach Meinung der ING derzeit eingepreist ist. "Sollten die Gespräche scheitern, bleibt das Aufwärtsrisiko bestehen, aber der Markt könnte mit einer vollständigen Reaktion warten, bis das Ausmaß möglicher US-Maßnahmen gegen den Iran deutlicher wird", so die Analysten.
Der Dollar notierte gut behauptet. Übergeordnet belaste die Unsicherheit über Zölle und Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank, hieß es. Ein neuer, vorübergehender globaler Zoll war am Dienstag in Kraft getreten, nachdem der Oberste Gerichtshof die meisten Zölle von US-Präsident Trump aufgehoben hatte. Unterdessen sagte der Präsident der Atlanta Fed, Raphael Bostic, der Riss zwischen der Fed und Trump habe begonnen, das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Zentralbank zu untergraben.
Der Anleihemarkt verzeichnete etwas Zulauf angesichts der Verluste am Aktienmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen sank um 3 Basispunkte auf 4,01 Prozent.