Wirtschaft

"Ich brauche das Geld nicht" Hacker gibt immer mehr Beute zurück

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Krypto-Diebstähle bei dezentralisierten Finanzplattformen (DeFi) sind keine Seltenheit.

(Foto: picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire)

Mehr als die Hälfte der 600 Millionen erbeuteten US-Dollar sind nach dem Angriff auf die Kryptoplattform Poly Network wieder da. Der Hacker liefert mit dem Diebesgut auch eine Erklärung für seine Tat. Geldgier zählt offenbar nicht zu seinen Motiven.

Der Hacker hinter einem der bisher größten Angriffe auf Kryptowährungen hat mehr als die Hälfte seiner Beute zurückgegeben. Bislang sei gestohlenes Digital-Geld im Wert von 342 Millionen US-Dollar wieder aufgetaucht, teilte die dezentrale Kryptoplattform Poly Network auf Twitter mit.

Etwa 268 Millionen US-Dollar fehlten noch. Der Dieb hatte bei einem Angriff auf die Plattform Tokens im Wert von mehr als 600 Millionen US-Dollar erbeutet und gestern damit begonnen, das Diebesgut zurückzugeben. Blockchain-Experten verwiesen darauf, dass es möglicherweise zu schwierig für den Hacker ist, geklaute Kryptowährungen in diesem Volumen zu waschen.

Es mehren sich die Indizien dafür, dass der Hacker in diesem Fall mit einer drastischen Aktion auf die Schwachstelle in dem technischen Protokoll von Poly Network hinweisen wollte. In diese Richtung weisen auch Spuren, die Tom Robinson, Mitbegründer von Elliptic, einem Londoner Unternehmen für Blockchain-Analysen und Compliance, in den öffentlich einsehbaren Überweisungen des Hackers entdeckt hat.

"Einziger Weg, um Würde zu bewahren"

Robinson veröffentlichte auf Twitter eine dreiseitige Frage-Antwort-Runde, die der Hacker in Form eines Selbstinterviews veröffentlicht hatte. Darin behauptet er, kein großes Interesse an dem Geld zu haben. Er habe stets geplant, die Beträge zurückzugeben. Der Diebstahl habe die Schwachstellen in der Software von Poly Network aufzeigen sollen. "Ich weiß, es tut weh, wenn Menschen angegriffen werden, aber sollten sie nicht etwas aus diesen Hacks lernen?", schrieb der Hacker in den Notizen. Er habe die Token übertragen, um sie in Sicherheit zu bringen, aber nichts davon verkauft.

In seinen Bemerkungen geht der Hacker auch auf die Frage ein, warum er die gestohlenen Werte nicht in einem Rutsch zurücküberwiesen hat: "Ich brauchte Zeit, um mit dem Team von Poly Networks zu reden. Sorry, das ist der einzige Weg, um meine Würde zu bewahren, ohne meine Identität preiszugeben. Und ich musste mich etwas ausruhen."

Es kommt immer wieder zu Krypto-Diebstählen bei sogenannten dezentralen Finanzplattformen (DeFi) - allein von Januar bis Juli ging es dabei um ein Volumen von 474 Millionen US-Dollar. Die weitgehend unregulierten Dienste ermöglichen Nutzern untereinander den Handel mit Werten wie Bitcoin, ohne dass Börsen oder Banken eingebunden sind. Befürworter des dezentralen Ansatzes sprechen von einem kostenlosen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Allerdings ist der Sektor bislang kaum reguliert. Zudem gibt es bei einigen Plattformen technische Mängel.

Quelle: ntv.de, law/rts/dpa

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