Wirtschaft

Brandbrief an Merkel Handelsverband dringt auf Impfpflicht

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Obersten Ziel muss es dem Spitzenverband der Einzelhändler zufolge sein, die Impfquote in Deutschland zu erhöhen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bereits seit Monaten appelliert der Einzelhandel an seine Kunden, sich impfen zu lassen. Offenbar fruchtet der Aufruf nicht. Der Spitzenverband der Einzelhändler fordert nun eine "zeitnahe Einführung einer verfassungskonform ausgestalteten allgemeinen Impfpflicht mit klar definierten Ausnahmen".

Der deutsche Einzelhandel hat sich für eine Impfpflicht ausgesprochen. "Gerade mit Blick auf die aktuell diskutierten erheblich einschränkenden Maßnahmen für die Gesellschaft und Wirtschaft muss eine Impfpflicht entsprechend verfolgt werden", schreibt der Handelsverband HDE in einem Brief an die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel. Geboten sei eine "zeitnahe Einführung einer verfassungskonform ausgestalteten allgemeinen Impfpflicht mit klar definierten Ausnahmen".

Bereits seit Monaten appelliert der Einzelhandel an seine Kunden, sich impfen zu lassen. Für eine Impfpflicht hatte er sich bisher allerdings nicht starkgemacht. Viele Bereiche des Einzelhandels waren wegen der angeordneten Geschäftsschließungen während der Lockdowns besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen. "Der Handel hat seit Beginn der Corona-Krise erhebliche Sonderopfer gebracht, obwohl er zu keinem Zeitpunkt als Inzidenztreiber bezeichnet werden konnte", heißt es in dem Brief an die CDU-Politikerin.

Oberstes Ziel müsse es sein, die Impfquote in Deutschland zu erhöhen und Drittimpfungen konsequent voranzutreiben, teilt der HDE mit. Denn derzeit reiche die Impfquote nicht aus, um eine vierte Welle ausreichend einzudämmen. "Daher ist nun der Gesetzgeber gefordert, zielgenaue Maßnahmen einzuleiten, um die Pandemie in den Griff zu bekommen und weiteres Leid zu verhindern. Nach allen bisherigen Erkenntnissen zählt die teilweise in den Bundesländern eingeführte 2G oder 3G-Vorgabe für den Kundenzugang des Einzelhandels ausdrücklich nicht dazu."

Mittelständler befürchten wirtschaftlichen Super-Gau

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft forderte unterdessen amtierende und künftige Bundesregierung auf, keine Zeit mehr zu verlieren, sondern unverzüglich und konsequent zu handeln. An der schnellen Einführung einer allgemeinen Impfpflicht führe kein Weg mehr vorbei, so Bundesgeschäftsführer Markus Jerger. "Das kommt zwar zur Bekämpfung der vierten Coronawelle zu spät, verschont die Menschen und die Wirtschaft aber vor Schlimmerem. Angesichts der dramatischen Pandemieentwicklung kann nur so ein drohender Lockdown abgewendet werden."

In Hinblick auf einen drohenden Corona-Lockdown während des Weihnachtsgeschäfts befürchten die Mittelständler Einbußen. "Müssten Betriebe und Einzelhandel im so wichtigen Weihnachtsgeschäft erneut zwangsweise schließen, hätten wir den wirtschaftlichen Super-Gau: Ganze Branchen wären betroffen, und sehr viele mittelständische Unternehmen würden einen erneuten Lockdown wirtschaftlich nicht überleben." Für die Betriebe folge daraus, dass die 3G-Regel streng kontrolliert oder 2G eingeführt werden müsse - das würde bedeuten: Zugang zu Betrieben nur noch für Geimpfte und Genesene.

"Im Klartext: Impfunwillige Beschäftigte, außer bei medizinischen Ausnahmen, müssen die Folgen ihres Handelns dann auch in der Lohntüte spüren", so Jerger. "Überlastete Krankenhäuser und verschobene Operationen kosten Menschenleben, und das Virus nimmt keine Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten."

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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