Wirtschaft

Werk in Wilkau-Haßlau vor Aus Haribo zieht sich aus dem Osten zurück

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Haribo gibt seinen einzigen Standort in Ostdeutschland auf.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Seit rund 30 Jahren werden in Wilkau-Haßlau Gummibärchen produziert. Diese Tradition endet nun. Der Hersteller Haribo hat die Produktion eingestellt - für das Werk findet sich kein Käufer. Gewerkschafter werfen dem Unternehmen vor, jahrelang nicht investiert, sondern nur die Gewinne eingestrichen zu haben.

Das einzige Haribo-Werk in Ostdeutschland steht endgültig vor dem Aus. Für die Immobilie in Wilkau-Haßlau bei Zwickau habe sich kein Käufer gefunden, teilte das Unternehmen mit. Deswegen wurden die Verkaufsverhandlungen beendet. Nun solle das Gespräch mit der Stadtverwaltung gesucht werden, "um das Gelände anderweitig zu entwickeln", hieß es. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten und sehr bitter für die Region", erklärte Thomas Lißner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Es sei allein Haribo anzukreiden, dass es für den Süßwarenstandort keine Zukunft gebe.

Seit Ende 2020 ruht die Produktion in dem Werk. Haribo hatte die Schließung mit immensen Investitionen begründet, die dort nötig seien. Den Angaben zufolge hatten mehrere Interessenten angeklopft, letztlich aber keiner ein Angebot für das Areal abgegeben. Zuletzt hatten Gespräche mit dem Konkurrenten Katjes bei den Mitarbeitern Hoffnung auf eine Zukunft der Süßwarenproduktion am Standort genährt - dafür hatte sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig eingesetzt.

Das Gelände solle künftig "im Sinne der Bürger" genutzt werden, erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter von Haribo, Hans Guido Riegel. "Ökonomische Interessen unsererseits stehen dabei ausdrücklich nicht im Vordergrund." Riegel verwies auf den Sozialplan für die 119 betroffenen Beschäftigten. Knapp 80 hätten bereits eine neue Arbeit gefunden oder gingen in den Ruhestand. Kündigungen seien bereits ausgesprochen und würden für einen Teil der Belegschaft Ende März wirksam, hieß es.

In Wilkau-Haßlau wurden schon zu DDR-Zeiten Gummibären & Co produziert, 1990 übernahm Haribo das Werk. Als der Goldbären-Produzent im November seine Schließungspläne öffentlich machte, folgte eine Welle des Protests: Mehrere Demonstrationen, eine Online-Petition, auch der Bundestag befasste sich mit dem Fall.

Mit seiner Entscheidung hat Haribo Betriebsratschef Maik Pörschmann überrascht. Er habe davon noch nichts gehört, sagte er. Gewerkschafter Lißner sprach von einem weiteren "traurigen Kapitel Ost". Haribo habe über Jahre aus dem Werk Gewinne gezogen, aber Investitionen unterlassen - nun werde es einfach dicht gemacht, kritisierte er. "Das macht ungeheuer wütend."

Quelle: jwu/dpa

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