Wirtschaft

Branche weist Vorstoß zurück Hendricks fordert Nachrüstung aller Diesel

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Es ist meine klare Erwartungshaltung, dass die Automobilwirtschaft ihren Stickstoffausstoß in den Griff bekommt", verlangte die Umweltministerin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Messungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass Dieselautos deutlich mehr Dreck in die Luft pusten als bislang angenommen. Für das Umweltministerium ein unhaltbarer Zustand. Einzelheiten soll aber bitte das Verkehrsressort aushandeln

Nach verheerenden Messungen zum Schadstoffausstoß von Dieselautos hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Nachrüstung der gesamten Flotte in Deutschland gefordert. "Es ist meine klare Erwartungshaltung, dass die Automobilwirtschaft ihren Stickstoffausstoß in den Griff bekommt", verlangte die SPD-Politikerin. "Die Emissionen müssen runter". Das Kernproblem für die dreckige Luft in deutschen Innenstädten sei die Dieselflotte.

Die Automobilhersteller wiesen die Forderung der Umweltministerin umgehend zurück. "Die Nachrüstung aller Fahrzeuge ist wirtschaftlich nicht darstellbar", sagte ein Sprecher des Branchenverbandes VDA. Die Politik und das Umweltbundesamt sollten aufhören, den modernen Diesel unter Generalverdacht zu stellen. "Er wird vielmehr gebraucht, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Denn er verbraucht bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff als ein Benziner", legte der VDA nach.

Das Umweltbundesamt hatte zuvor je über 20 Modelle von Dieselautos mit den Schadstoffklassen Euro 4, Euro 5 und Euro 6 unter die Lupe genommen und vielfache Überschreitungen der Grenzwerte beim Ausstoß der giftigen Stickoxide beim normalen Fahren auf der Straße festgestellt. Demnach blasen auch die Motoren mit der modernsten Schadstoffnorm Euro 6 viel mehr Giftstoffe in die Luft als geglaubt.

Die Umweltministerin sieht dabei die Konzerne in der Pflicht, eigene Lösungen anzubieten und die vollen Kosten zu tragen. "Es muss klar sein, dass die Hersteller die kompletten Kosten tragen", betonte Hendricks. Betroffen sind hierzulande rund neun Millionen Autos mit den Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6. Bei alten Dieseln mit Euro4 lohnt sich die Nachrüstung nach Einschätzung des Umweltamtes nicht mehr.

Wie genau der Rückruf aussehen soll und welche Fristen gelten könnten, soll nach Hendricks' Vorstellungen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit der Industrie aushandeln. Dobrindt war nicht in die Überprüfungsmessungen eingebunden. Seine SPD-Kabinettskollegin musste aber bei der Vorstellung der Ergebnisse einräumen, dass sich die Hersteller an die gesetzlichen Bestimmungen gehalten haben. "Sie haben nicht das Recht gebrochen", erklärte sie. Denn die Zulassung der Fahrzeuge erfolgte auf Basis der Labormessungen auf dem Rollenprüfstand, wo die Motoren die Grenzwerte einhielten. Durch die neuen Erkenntnisse der Umweltbehörde sieht Hendricks die blaue Plakette für obsolet an.

Quelle: ntv.de

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