Wirtschaft

Mehr Konjunkturspritzen gefordert IWF liest Eurozone die Leviten

Die Firmen exportieren und die Verbraucher gehen shoppen - die Eurozone lässt die Rezession hinter sich.

Die Firmen exportieren und die Verbraucher gehen shoppen - die Eurozone lässt die Rezession hinter sich. Doch das ist noch lange kein Grund, sich auszuruhen, mahnt der IWF.

(Foto: picture alliance / dpa)

Griechenland soll neue Milliarden bekommen, Spanien, Portugal und Irland wachsen wieder - ist die Krise nun vorbei? Der IWF gibt eine klare Antwort: Überhaupt nicht. Die Experten warnen die Staatschefs der Eurozone und kritisieren Deutschland.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Euro-Zone wegen anhaltend schwacher Wachstumsaussichten zu weiteren Reformen und zusätzlichen Konjunkturspritzen aufgefordert. Die konjunkturelle Erholung werde zwar stärker - die Wirtschaft der 19 Euro-Länder dürfte im nächsten Jahr um 1,7 Prozent zulegen nach 1,5 Prozent in diesem Jahr.

Die mittelfristigen Aussichten aber seien verhalten, schreibt der IWF in einem Bericht. Die Arbeitslosigkeit sei immer noch zu hoch. Als Risiken für die Währungsunion werden auch Ansteckungsgefahren durch Griechenland genannt. Zwar hätten die Märkte auf die jüngsten Reformvereinbarungen der Geldgeber mit Athen weitgehend positiv reagiert. Aber größere Unsicherheiten könnten nicht ausgeschlossen werden.

Die Politik solle alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um bei Ansteckungsfahren gegenzusteuern. Aktuell erhole sich die Wirtschaft in der Euro-Zone dank wachsender Binnennachfrage, niedriger Ölpreise und des schwächeren Euro. Ausdrücklich wird auch die Europäische Zentralbank (EZB) gelobt.

Die Geldflut durch das umfangreiche Anleihekaufprogramm der EZB im Volumen von rund 1,14 Billionen Euro wird vom IWF unterstützt. Die Eurozone sei aber anfällig für negative Schocks, heißt es in den Schlussfolgerungen weiter. Ein potenzielles mittelfristiges Wachstum von im Schnitt nur einem Prozent reiche nicht aus, um die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern auf ein akzeptables Niveau zu senken.

Deutschland soll die Binnennachfrage stärken

Der IWF fordert eine "umfassende politische Reaktion". Länder mit finanziellem Spielraum und geringen öffentlichen Schulden sollten die im Stabilitäts- und Wachstumspakt angelegte Flexibilität zu mehr Investitionen nutzen. Damit ist auch Deutschland angesprochen.

Der IWF kritisiert zudem die anhaltenden und hohen Leistungsbilanzüberschüsse des größten Euro-Mitglieds. Nach seiner Einschätzung resultieren sie nicht so sehr aus der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern vor allem aus einer schwachen Inlandsnachfrage. Die gelte es mit mehr Investitionen zu beheben, fordert der IWF zum Abschluss von Artikel-IV-Konsultationen.

"Deutschlands Überschuss geht mit einer bemerkenswert schwachen Inlandsnachfrage einher. In der aktuellen Überschussepisode wächst die reale Binnennachfrage nur halb so stark wie in normalen Zeiten", merkte der IWF in seinem Bericht an. Er bezieht sich dabei auf die Jahre 2004 bis 2014. Zwar sei dieses Phänomen auch bei anderen Überschussländern zu beobachten, aber in Deutschland sei es besonders stark ausgeprägt. Besonders schwach waren laut IWF die privaten Investitionen, die nur noch einen Bruchteil früherer Werte erreichten.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/DJ

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