Wirtschaft

Schlechtester Wert seit 2014 Ifo-Index deutet weiter auf gebremste Konjunktur

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Die derzeitige Lage bewerten viele Unternehmen laut Ifo-Index weniger gut.

(Foto: dpa)

"Die deutsche Konjunktur bleibt schwach", lautet das Fazit des Ifo-Instituts nach Veröffentlichung des aktuellen Geschäftsklimaindex'. Demnach bewerten viele Unternehmen in Deutschland die Lage pessimistischer als im Januar.

Die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft ist im Februar etwas schwächer als erwartet gewesen, was auf eine anhalten gedämpfte Konjunktur hindeutet. Auch im Dienstleistungssektor wird nicht mehr mit einer Besserung der Geschäftsaussichten gerechnet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf 98,5 (Januar: 99,3) Punkte, wie das Ifo-Institut mitteilte. Das war der niedrigste Stand seit Dezember 2014.

Volkswirte hatten einen Rückgang auf 99,0 Punkte prognostiziert. Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer und gilt als zuverlässiger Indikator für die Entwicklung der nächsten sechs Monate.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der befragten Unternehmen ging auf 103,4 Punkte zurück. Ökonomen hatten 103,8 Punkte erwartet. Der Index für die Geschäftserwartungen sank auf 93,8 Zähler. Die Prognose hatte auf 94,3 Punkte gelautet. "Die deutsche Konjunktur bleibt schwach", kommentierte das Ifo-Institut die Daten.

Deutliche Revision der Erwartungen

Im verarbeitenden Gewerbe sank der Index zum sechsten Mal in Folge. Die Unternehmen korrigierten ihre Beurteilung der aktuellen Lage merklich nach unten. Trotzdem berichtete weiterhin eine deutliche Mehrheit von einer guten Geschäftslage. Bei den Erwartungen greift der Pessimismus jedoch mehr und mehr um sich. Im Dienstleistungssektor verschlechterte sich das Geschäftsklima deutlich. Die Dienstleister stuften ihre Geschäftslage als etwas weniger gut ein. Für die kommenden Monate erwarteten nur noch wenige Unternehmen eine Verbesserung.  Ifo-Umfragechef: Transport und Logistik belasten Service-Klima

Die deutliche Eintrübung des Service-Geschäftsklimas beruhte nach Aussage des Ifo-Instituts vor allem auf einem schwächeren Geschäftsklima im Bereich Transport und Logistik. Umfragechef Klaus Wohlrabe sagte: "Das liegt auch an der engen Verbindung dieses Sektors zur Industrie, wo die Dynamik nachlässt." Dem Dienstleistungssektor insgesamt gehe es gut, der Umsatz sei stabil und ebenso die Umsatzerwartungen. "Es wird nur keine Verbesserung mehr erwartet", sagte Wohlrabe.

Das Ifo-Institut befragt für die Berechnung seines Geschäftsklimaindex knapp 2.500 Unternehmen des Dienstleistungssektors. Sie haben im Index ein Gewicht von etwas über 50 Prozent.

Keine Rezessionsvorboten zu erkennen

Im Rahmen der am Vortag veröffentlichten Einkaufsmanagerumfrage (PMI) hatte sich ein deutlich verbessertes Geschäftsklima gezeigt. Alexander Krüger, der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, findet das aber nicht weiter erstaunlich. Er wies darauf hin, dass sich das Ifo-Geschäftsklima in den vergangenen Monaten viel stabiler gezeigt habe als die PMIs. "Ich habe mich eher über den starken Rückgang des Dienstleistungs-PMI zwischen September und Dezember gewundert, aber der scheint sich ja etwas zu berappeln", sagte Krüger.

Den Vorboten einer Rezession kann er im abermaligen Ifo-Rückgang nicht erkennen. "Wir haben keinen Index-Absturz, der Rückgang ist weiterhin vor allem erwartungsgetrieben, was ja angesichts der Risiken eines harten Brexit und von Autozöllen nicht weiter verwundert", sagte er.

Aus Sicht der Commerzbank haben sich die Rezessionsrisiken aber durchaus erhöht. Chefvolkswirt Jörg Krämer schrieb in einem Kommentar: "Der Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas ist ebenso wie der der Auftragseingänge mittlerweile ähnlich ausgeprägt wie vor einigen Rezessionen der zurückliegenden vierzig Jahre."

Damit meine er nicht scharfe Rezessionen wie nach der Lehman-Pleite 2008 oder die Wiedervereinigungs-Rezession Anfang der 90er Jahre, aber mildere Rezessionen wie während der Staatsschuldenkrise oder nach dem Platzen der Aktienmarktblase im Jahr 2000. "Die Rezessionswahrscheinlichkeit ist also eindeutig gestiegen. Unser Rezessionsradar veranschlagt sie basierend auf einem statistischen Modell mittlerweile auf 24 Prozent", schrieb Krämer.

Quelle: n-tv.de, mli/jwu/DJ

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