Wirtschaft

"Bescherung fällt mager aus" Ifo-Index sinkt vierten Monat in Folge

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Die Konjunkturprognose für Deutschland hat das Ifo-Institut bereits gesenkt.

(Foto: dpa)

Die Zeit des starken Booms in der deutschen Wirtschaft ist wohl erst einmal vorbei. Der Optimismus der Manager schwindet zusehends. So geht es mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex weiter bergab.

Die deutsche Wirtschaft geht ohne Schwung ins neue Jahr. Das Barometer für das Ifo-Geschäftsklima sank im Dezember auf 101,0 Punkte von zuvor 102,0 Zählern, wie das Münchner Wirtschaftsinstitut zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Das ist bereits der vierte Monat mit einem Rückgang in Folge. Ökonomen hatten lediglich mit einem Absinken auf 101,8 gerechnet.

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"In diesem Jahr fällt die Bescherung für die deutsche Wirtschaft mager aus", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage diesmal schlechter, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der befragten Unternehmen fiel auf 104,7 (revidiert 105,5) Punkte. Erwartet worden waren 104,7 Punkte. Der Index für die Geschäftserwartungen fiel auf 97,3 (98,7) Punkte, den niedrigsten Stand seit November 2014. Volkswirte hatten lediglich einen Rückgang auf 98,3 erwartet.

Das Ifo-Institut hat bereits seine Konjunkturprognosen für Deutschland kräftig gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im zu Ende gehenden Jahr um 1,5 Prozent und 2019 sogar nur noch um 1,1 Prozent zulegen. Bislang waren sie von jeweils 1,9 Prozent ausgegangen. Die Probleme der Autoindustrie mit dem neuen Abgasmessstandard dämpfen derzeit die Wirtschaft, ebenso Unsicherheiten wie der Brexit, der Haushaltsstreit in Italien und die US-Handelspolitik.

Reaktionen von Analysten

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe: "Mit Brexit und Handelsstreit ist stimmungsseitig derzeit kein Blumentopf zu gewinnen. Es überrascht daher nicht, dass vor allem die Geschäftserwartungen sinken. Die aktuelle Geschäftslage hält sich dagegen trotz Rückgangs auf hohem Niveau. Der rückläufige Geschäftsklimaindex ist eher ein Zeichen für Wachstumsdemut als ein ernstes Abschwungssignal."

Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank: "Ein aus wirtschaftlicher Sicht enttäuschendes Jahr schließt mit einem Jahrestiefstand des Ifo-Geschäftsklimaindex - das passt also zum Gesamtbild des Jahres 2018. Das internationale Geschäftsumfeld bleibt auch zum Jahresende herausfordernd. In China sind konjunkturelle Bremsspuren unübersehbar. Die exportstarke deutsche Industrie bekommt das zu spüren. Und die nicht enden wollende Brexit-Diskussion vermiest ohnehin die Stimmung und das Geschäft. Unzufriedenheit herrscht derzeit auch bei den Einzelhändlern. Das Weihnachtsgeschäft ließ bislang zu wünschen übrig. Um es auf den Punkt zu bringen: Es fehlt derzeit am nötigen Rückenwind für die deutsche Wirtschaft. Das soll nun nicht heißen, dass eine Rezession droht, aber der Aufschwung scheint an Altersschwäche zu leiden."

Uwe Burkert, Chefökonom LBBW: "Der Rückgang des Geschäftsklimas auf 101,0 war ein weiterer herber Schlag zum Jahresende. Die Story, wonach das dritte Quartal nur ein Ausrutscher war, wird damit zunehmend unglaubwürdiger. Zumindest erkennen wir bislang keinen kräftigen Rebound. Das Schlussquartal bringt wohl höchstens eine kleine Erholung. Das BIP für das Gesamtjahr 2018 wird wohl noch akzeptabel, aber für 2019 muss man sich zunehmend Sorgen machen. Wir sehen fallende Kurse an den Aktienmärkten und sinkende Frühindikatoren. Wir haben vor uns einen Haufen politischer Risiken, angefangen vom Handelsstreit der USA und China über den Brexit und Italiens Defizit sowie neuerdings Frankreichs Abkehr von den Reformen. Höchste Zeit für eine Trendwende."

Andreas Scheuerle, Dekabank: "Die globale Nachrichtenlage schwankt zwischen Sorgen und Erleichterung. So haben zuletzt Meldungen von den Verhandlungen zwischen den USA und China oder einem leichten 'Einlenken' der italienischen Regierung im Haushaltsstreit es geschafft, einige Sorgenfalten zu glätten. Doch gleichzeitig finden öffentlichkeitswirksame Abwärtsrevisionen von Konjunkturprognosen statt, und der Brexit-Prozess nimmt immer chaotischere Züge an. Zudem könnte der Dezember noch durch die Proteste in Frankreich - immerhin Deutschlands zweitwichtigstem Handelspartner - verhagelt worden sein. So richtige vorweihnachtliche Freude will da nicht aufkommen."

Quelle: n-tv.de, wne/rts/DJ

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