Wirtschaft

"Licht am Ende des Tunnels" Ifo-Index steigt im Rekordtempo

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Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hellt sich auf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Coronavirus-Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft hart. Doch nach einem düsteren Frühjahr bewerten Unternehmensmanager die Geschäftsaussichten im Juni wieder positiver. Ökonomen warnen jedoch vor zu viel Euphorie. "Der Stachel sitzt tief."

Nach dem historischen Tief hellt sich die Stimmung in den deutschen Chefetagen weiter auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juni stieg in Rekordtempo auf 86,2 Zähler von 79,7 Punkten im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. "Dies ist der stärkste jemals gemessene Anstieg", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Die deutsche Wirtschaft sieht Licht am Ende des Tunnels." Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 85 Punkte gerechnet. Die vom Ifo befragten Manager schätzten ihre Geschäftsaussichten und - erstmals seit Beginn der Corona-Krise - auch ihre Lage wieder günstiger ein als zuletzt.

Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Stimmung erneut deutlich, vor allem weil die Erwartungen so stark zulegten wie nie. "Die aktuelle Lage wird jedoch weiterhin von einer großen Mehrheit der Unternehmen als schlecht eingestuft", betonte Fuest. Auch bei den Dienstleistern ging es im Zuge der Lockerungen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen "steil" nach oben. "Insbesondere nahm der Pessimismus mit Blick auf das kommende halbe Jahr deutlich ab." Im Handel und am Bau stieg der Geschäftsklimaindex ebenfalls.

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Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte, das Konjunkturtal sei durchschritten. "Den Tiefpunkt haben wir hinter uns, es geht wieder aufwärts." Allerdings warnen Fachleute vor zu viel Euphorie. "Überschwängliche Freude kommt aber nicht auf. Der Stachel sitzt tief", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Der erste Schock sei zwar überwunden. "Doch das wirtschaftliche Schleudertrauma macht sich jetzt richtig bemerkbar." Die deutsche Wirtschaft werde an den Pandemie-Folgen noch lange leiden. "Bis sich die konjunkturellen Wunden schließen, können noch Jahre ins Land gehen."

Die Viruskrise trifft die Konjunktur mit voller Wucht. Sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Investitionen ließen die deutsche Wirtschaft bereits zum Jahresanfang einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Januar bis März um 2,2 Prozent und damit so stark wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 nicht mehr. Im laufenden zweiten Quartal dürfte das BIP nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen sogar um zehn bis elf Prozent einbrechen. Ab dem dritten Quartal rechnen die meisten Experten dann mit einer spürbaren Belebung der Konjunktur und mit deutlichem Wachstum. "Im Sommerquartal könnte es zu einem Plus von um die sieben Prozent reichen", sagte Ifo-Ökonom Wohlrabe.

Quelle: ntv.de, fzö/rts