Wirtschaft

E-Commerce-Spezialist Graf "Ikea belegt seine Kunden mit Strafgebühr"

228738885.jpg

E-Commerce-Experte Alexander Graf kritisiert das "Click & Collect"-Modell bei Ikea, sieht aber mittlerweile einen klaren Aufwärtstrend.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht jedes Unternehmen kann gerettet und in die digitale Welt überführt werden, macht E-Commerce-Spezialist Alexander Graf im ntv-Podcast "So techt Deutschland" deutlich. Aber es gebe viele andere Chancen. "Click & Collect" sei jedoch keine gute Strategie.

Alexander Graf hat ein Motto für den Einzelhandel: "Innovate or die" - erfinde dich neu oder stirb. Grundsätzlich habe sich gezeigt, dass die Unternehmen gewinnen, die immer wieder in der Lage seien, sich neu zu erfinden. "Die Unternehmen, die lieber stehenbleiben und viele Powerpoints über ihre Strategien malen, die verlieren gegen Amazon", sagt Graf im ntv-Podcast "So techt Deutschland".

Auch Amazon muss innovativ sein und wenn sie stehenbleiben, können andere vorbeiziehen. "Die Chance besteht jetzt mit dem neuen Management", sagt Graf halb im Scherz, halb ernsthaft. Der E-Commerce-Spezialist hat bei Unternehmen wie About You oder Etribes mitgewirkt und 2014 mit Spryker eine Firma mitgegründet, die erfolgreich eine Online-Handelssoftware entwickelt hat.

graf.jpg

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems.

(Foto: Spryker)

Die meisten Unternehmen in Deutschland würden zu wenig aus den Chancen, die sich ergeben, machen. Die Pandemie habe gezeigt, dass die Firmen, die vorher schon gut aufgestellt waren, besser durch die Krise gekommen seien. Graf sieht zum Beispiel "Click & Collect" als keine sinnvolle Strategie an. Einen Kopfhörer bei Mediamarkt abzuholen, den man sich vorher in den Warenkorb gelegt hat - "das vereint das Schlechteste aus beiden Welten: Ich kann es vorher nicht anfassen und muss auch noch selbst fahren", erklärt Graf. Auf der anderen Seite gebe es auch Unternehmen, die "Click & Collect"-Kunden mit einer "Strafgebühr" belegt hätten, kritisiert Graf und verweist auf Ikea. Die Argumentation der Schweden für eine zusätzliche Gebühr sei "etwas abstrus" gewesen, inzwischen hätte Ikea das Problem aber erkannt und "da wird jetzt richtig Gas gegeben", sagt Graf.

"Davon lässt sich keine Miete bezahlen"

Click & Collect und andere Strategien seien seiner Meinung keine geeigneten Strategien, um sich zu retten. Die ganze Arbeit stecke irgendwo in den Schnittstellen zwischen Analog- und Online-Geschäft. "In den letzten 15 Jahren hat sich niemals ein Fall ergeben, wo es ein Unternehmen geschafft hat, gegen reine Online-Unternehmen Marktanteile zurückzugewinnen", erklärt Graf. Große Unternehmen, vor allem große Nischen-Kategorie-Führer, müssten selbst zur Plattform werden. Eine Alternative sieht der Experte nicht. Alte Handelsmodelle, wo Händler Ware günstig einkauften, ins Lager legten und teuer an den Kunden weiterverkauften, "lassen sich in einer digitalen Welt nicht mehr profitabel betreiben. Davon lässt sich keine Miete und auch keine Servicekraft mehr bezahlen", erklärt Graf mit Verweis auf die Innenstädte.

Was die Einzelhändler jetzt tun können und wie eine Anpassung an die digitale Welt möglich ist, erklärt Alexander Graf in dieser Folge von "So techt Deutschland".

Quelle: ntv.de, sks

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen