Wirtschaft

Ifo: "Quer durch die Wirtschaft" Immer mehr Unternehmen wollen Preise erhöhen

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Verbraucher müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Aber warum wird alles teurer? Und wie lange wird das so gehen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Verbraucher müssen sich auf weiter steigende Ausgaben einstellen. Vor allem der Großhandel will höhere Einkaufspreise weiterreichen. Treiber sind unter anderem die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorprodukten - wegen der kräftigen Erholung der Weltwirtschaft.

Eine steigende Zahl von Unternehmen in Deutschland will laut Ifo-Institut die Preise erhöhen. Am spürbarsten ist das demnach im Großhandel, aber auch in Einzelhandel, Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungsbranche planen demnach viele Firmen höhere Preise, wie die Konjunkturfachleute des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts mitteilten.

Ifo-Konjunkturfachmann Klaus Wohlrabe nannte zwei Ursachen: Zunächst sind die Unternehmen auf der Beschaffungsseite mit höheren Einkaufspreisen konfrontiert, die sie nun weitergeben. Öl und viele andere Rohstoffe sind in den vergangenen Monaten erheblich teurer geworden. "Zudem gibt es teilweise Nachholeffekte aufgrund früherer Preissenkungen während der Coronakrise", sagte Wohlrabe. "Die starken Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen ziehen sich letztendlich quer durch die gesamte Wirtschaft."

Der entsprechende Index der Ifo-Wissenschaftler stieg in allen Bereichen, im Großhandel liegt dieser mit 65 Punkten mittlerweile weit über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Dies ist ein Saldowert, der gebildet wird aus den Prozentzahlen der Unternehmen, die Preiserhöhungen beziehungsweise -senkungen planen.

In der Industrie stieg der Wert auf 37 von 32 Punkten, auf dem Bau auf 32 von 12. Auch im Einzelhandel und den Dienstleistern sind Höchstwerte nicht mehr weit entfernt. Im Einzelhandel stieg der Wert auf 36 von 24, bei den Dienstleistern auf 20 von 14. Es gibt nur wenige Branchen, wo keine Preiserhöhungen vorgesehen sind. "Die starken Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen ziehen sich letztendlich quer durch die gesamte Wirtschaft", sagte Wohlrabe.

Die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte sind angesichts der kräftigen Erholung der Weltwirtschaft und ihrer größten Zugpferde USA und China weltweit deutlich gestiegen. Das bekommen auch die Verbraucher zu spüren: Die Inflationsrate erreichte im Mai mit 2,5 Prozent bereits den höchsten Wert seit fast zehn Jahren, weil vor allem Energie deutlich teurer wurde. Experten halten für möglich, dass in der zweiten Jahreshälfte sogar zeitweise eine Vier vor dem Komma stehen könnte. 2022 soll sich der Preisauftrieb dann wieder abschwächen.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/Dj/rts

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