Dow mit deutlichen VerlustenInflationsdaten sorgen für wenig Begeisterung an der Wall Street

Die Wall Street startet verhalten in die Bilanzsaison. Die größte US-Bank JPMorgan Chase gerät nach Vorlage der Zahlen unter die Räder, auch für diverse Airlines läuft es nicht rosig. Außerdem lassen die jüngsten Inflationsdaten die Anleger an einer schnellen Zinssenkung zweifeln.
Der US-Inflationsbericht für Dezember und eine Reihe von Konzernbilanzen haben die Wall Street zum Handelsschluss ins Minus gedrückt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte 0,8 Prozent tiefer bei 49.192 Punkten. Der technologielastige Nasdaq verharrte kaum verändert bei 23.709 Zählern und der breit gefasste S&P 500 büßte 0,2 Prozent auf 6963 Stellen ein.
Die US-Inflation hat sich im Dezember auf erhöhtem Niveau eingependelt: Die Verbraucherpreise stiegen wie bereits im Vormonat um 2,7 Prozent. Volkswirte hatten mit dieser Jahressteuerungsrate gerechnet. Angesichts der ausbleibenden Überraschungen dürfte sich die US-Notenbank Fed nun "Zeit lassen und weitere Daten abwarten - insbesondere angesichts der Verzerrungen, die wir zuletzt infolge des teilweisen Regierungsstillstands in den Daten gesehen haben", sagte Skyler Weinand, Chefanleger von Regan Capital. Die Währungshüter versuchen, mit erhöhten Zinsen die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.
Die Anleger am Metallmarkt setzten nach den Daten dennoch auf weiter fallende Zinsen, was Silber und Gold auf neue Allzeithochs hievte. Bei erhöhten Zinsen investieren Marktteilnehmer eher in verzinste Anlagen wie Staatsanleihen, statt Edelmetalle zu kaufen, die keine Zinsen zahlen.
Apple-Deal belastet JP Morgan
Der Auftakt der US-Bilanzsaison fiel indes verhalten aus. Die Aktien der größten US-Bank JPMorgan Chase rutschten nach Zahlen um rund vier Prozent ab. Die größte US-Bank übertraf im vierten Quartal dank sprudelnder Einnahmen im Handelsgeschäft die Erwartungen der Analysten. Der ausgewiesene Überschuss schrumpfte jedoch wegen einer milliardenschweren Sonderbelastung auf 13 Milliarden Dollar, nach 14 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Die Sonderbelastung ging auf die Übernahme des Apple-Kreditkartengeschäfts vom Rivalen Goldman Sachs zurück.
Unter die Räder gerieten auch die Aktien der Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard. Die Papiere rutschten nach kritischen Äußerungen von JPMorgan-Finanzchef Jeremy Barnum zum geplanten Deckel für Kreditkartenzinsen um rund 4,5 beziehungsweise 3,8 Prozent ab. US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche vorgeschlagen, die Obergrenze für Kreditkartenzinsen ab dem 20. Januar für ein Jahr auf zehn Prozent zu begrenzen. "Die Finanzbranche wird von Trumps Kreditkartenvorschlag hart getroffen", sagte Tim Ghriskey, Senior Portfolio Strategist bei Ingalls & Snyder in New York.
Für Gesprächsstoff sorgten auch die Airlines: Delta büßte nach einer Prognose unter den Analystenerwartungen mehr als zwei Prozent ein und zog damit Rivalen mit nach unten. Die Aktien von American Airlines, United Airlines und Alaska Air verloren zwischen 0,8 und vier Prozent.
Um rund zwei Prozent nach oben ging es hingegen für Boeing. Der krisengebeutelte US-Flugzeugbauer übergab im vergangenen Jahr so viele Flugzeuge an die Kunden wie seit sieben Jahren nicht. Insgesamt schnellten die Auslieferungen um 72 Prozent auf 600 Maschinen nach oben, wie das Unternehmen mitteilte. Damit hinkt Boeing aber immer noch dem europäischen Erzrivalen Airbus hinterher, der 2025 auf 793 ausgelieferte Flugzeuge kam.
Mit Blick auf die gesamte Bilanzsaison zeigen sich Experten optimistisch. "Der Technologiesektor spielt hier weiterhin die Hauptrolle", sagte CMC Markets-Analyst Luis Ruiz. Auch Julian Cook, Portfoliospezialist bei T.Rowe Price, sieht die Furcht vor einer Blase angesichts der hohen Bewertungen bei Konzernen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) unbegründet. "Die KI-Offensive der großen Technologieunternehmen scheint sich auszuzahlen, da KI in Produkte integriert wird, die die Menschen bereits nutzen."