Wirtschaft

Paradoxer Trend bei den Preisen Inflationsrate schwächt sich wieder ab

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Deutschland in der Nullzinsphase: Die Preise steigen weiter nur vergleichsweise moderat.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die drohende Konjunkturschwäche drückt in Deutschland auf die Preise: Die Inflationsrate fällt so niedrig aus wie lange nicht mehr. Obwohl die Zentralbank weiter massiv billiges Geld in den Markt drückt, steigen die Verbraucherpreise kaum an.

Billigeres Tanken und Heizen haben die Inflation in Deutschland im Oktober auf den niedrigsten Stand seit mehr als anderthalb Jahren gedrückt. Die Verbraucherpreise zogen nur noch um 1,1 Prozent zum Vorjahresmonat an, nach 1,2 Prozent im September, wie das Statistische Bundesamt bestätigte. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2018.

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Damit entfernt sich die Teuerungsrate weiter vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die für die Eurozone mittelfristig einen Wert von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur ansieht - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das kann die Wirtschaft bremsen.

Gedämpft wurde die Teuerung vor allem von der Entwicklung bei Energie: Sie verbilligte sich um durchschnittlich 2,1 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl fielen um 15,8 Prozent, die für Kraftstoffe um 7,5 Prozent.

Nahrungsmittel kosteten hingegen 1,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Teurer als ein Jahr zuvor waren unter anderem Fleisch und Fleischwaren (+4,9 Prozent), Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (+3,3) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+2,6). Dienstleistungen verteuerten sich mit 1,7 Prozent überdurchschnittlich, darunter Mieten um 1,4 Prozent.

Strafzinsen gegen geringe Inflation

Experten gehen davon aus, dass die Inflation angesichts der Konjunkturflaute unter Druck bleiben wird. Bei nachlassender Nachfrage fällt es Unternehmen in der Regel schwerer, Preiserhöhungen durchzusetzen. Die EZB hatte im September höhere Strafzinsen auf Bankeinlagen und die Wiederaufnahme von Anleihekäufen beschlossen, um die Wirtschaftsflaute und die geringe Inflation zu bekämpfen. Eine von Sparern ersehnte Zinserhöhung ist in weite Ferne gerückt.

Handelskriege, schwächere Weltkonjunktur und das Brexit-Chaos belasten derzeit die Wirtschaft in der Euro-Zone. Von der schwachen Inflation könnte der private Konsum profitieren und damit die deutsche Wirtschaft vor Risiken von außen abschirmen. Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Preisindex HVPI für Deutschland, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, lag um 0,9 Prozent über dem Stand von Oktober 2018.

Im Euroraum insgesamt hatte sich die Inflation im Oktober ebenfalls weiter abgeschwächt. Nach ersten Daten des Statistikamtes Eurostat lagen die Verbraucherpreise 0,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das ist der niedrigste Anstieg seit November 2016, also seit knapp drei Jahren.

Quelle: ntv.de, ibu/rts/dpa