Wirtschaft

Trump und Xi einigen sich Ist der Handelskrieg bald vorbei?

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Treffen in Buenos Aires: Xi und Trump einigen sich auf neue Verhandlungen.

REUTERS

Es kommt Bewegung in den Streit zwischen den USA und China. Die Staatschefs Trump und Xi vereinbaren einen "Waffenstillstand", neue Strafzölle wird es vorerst nicht geben. Vielmehr soll wieder verhandelt werden. Steht der Konflikt vor einer Lösung?

Mit Spannung war das Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem Amtskollegen Xi Jinping erwartet worden. Das Ergebnis: Die USA werden vorerst keine zusätzlichen Zölle auf chinesische Einfuhren erheben. Und es soll wieder verhandelt werden. Das Weiße Haus sprach von einer 90-tägigen Frist, nach deren Ablauf Ergebnisse vorliegen sollen. China bestätigte die Vereinbarung, erwähnte aber die 90 Tage nicht.

Von der Delegation aus Peking folgten nach der Vereinbarung vor allem Floskeln. Chinas Außenminister Wang Yi sprach von einer "wichtigen gemeinsamen Übereinkunft" und "sehr positiven und konstruktiven" Gesprächen. Das Weiße Haus wurde konkreter: "China hat zugestimmt, von sofort an landwirtschaftliche Waren von unseren Bauern zu kaufen", sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Auch weitere US-Produkte aus dem Energie- und Industriesektor sowie anderen Wirtschaftszweigen wolle China importieren.

Zudem soll nun über weitere Forderungen der USA verhandelt werden, wie Sanders erklärte. Dabei gehe es um "strukturellen Veränderungen" hinsichtlich zwangsweisem Technologietransfer, Urheberrechtsschutz, Marktbarrieren, Cyber-Attacken, Dienstleistungen und Landwirtschaft. Innerhalb von 90 Tagen sollen diese Themen vom Tisch seien.

Handelskrieg abgewendet?

Die beiden mächtigen Männer Trump und Xi scheinen also einen "Deal" gemacht zu haben, um es mit den Worten des US-Präsident auszudrücken. Steht der Konflikt zwischen den beiden Wirtschaftsgroßmächten damit vor einem Ende?

Der "Waffenstillstand" zwischen den USA und China sei zunächst eine gute Sache, sagt Handelsexperte Rolf J. Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel zu n-tv.de. Denn eine Eskalation sei erstmal abgewendet: "Die Chinesen hätten recht bald keine Möglichkeit mehr gehabt, die neuen Zölle der USA in gleicher Weise zu vergelten, da sie weit weniger Produkte aus den USA importieren. Sie wären dann wahrscheinlich umgestiegen auf Beschränkungen amerikanischer Dienstleistungsexporte mit erheblich unkalkulierbareren Wirkungen und Gegenreaktionen."

Der mit China vereinbarte Burgfriede sei auch für Trump wichtig, um Zeit zu gewinnen, so Langhammer. "Ich glaube, dass Trumps Berater vor allem aus dem Unternehmensbereich zunehmend Erfolg haben, ihm klar zu machen, dass viele der Zoll-Maßnahmen im Grunde ein Schuss in den Ofen sind. Denn sie ziehen auch die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft in Mitleidenschaft." Deutlich sei dies zuletzt am Beispiel General Motors geworden – der Autobauer bekam Trumps Zollpolitik durch steigende Stahlpreise zu spüren und verkündete jüngst einen massiven Stellenabbau.

China "auf dem falschen Fuß" erwischt

Aber auch Xi dürfte sich über eine Pause in der Eskalation freuen: "Trump erwischt China zurzeit auf dem falschen Fuß – deren Wachstumsdynamik nimmt ab, was ganz normal ist", so Langhammer. "Da Chinas Führung jedoch Wachstum nicht prognostiziert, sondern vorgibt, steht sie in der Pflicht gegenüber der Bevölkerung, die vorgegebenen Wachstumsraten einzuhalten, auch um den Preis höherer Verschuldung."

Gleichzeitig glaubt der Handelsexperte, dass der Grundkonflikt zwischen den beiden Wirtschaftsmächten weit davon entfernt ist, vor einer Lösung zu stehen: "Das eigentliche Problem ist die Sorge der USA, die Chinesen könnten in der Digitalwirtschaft die technologische Führerschaft übernehmen." Trump würde versuchen, diesen Konflikt zunächst "mit Maßnahmen aus der alten Mottenkiste der Zölle" auszutragen.

Auf solche Zollanhebungen würden die USA vorerst auch weiterhin setzen, wenn es mit den Verhandlungen nicht voran geht, heißt es aus dem Weißen Haus. Sollte es nicht gelingen, innerhalb von 90 Tagen eine Einigung mit China zu erzielen, so Trumps Sprecherin Sanders, könnten die USA ihre Pläne für eine Erhöhung der Sonderabgaben auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von 10 auf 25 Prozent doch noch umsetzen. Handelsexperte Langhammer glaubt jedoch, dass es dabei wohl nicht bleiben dürfte. Vielmehr seien zukünftig wohl Beschränkungen gegen weltweit operierende chinesische Unternehmen der neue Instrumentenkasten der USA.

Quelle: n-tv.de

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