"Zentrales Problem"Jedem dritten Unternehmen fehlen Aufträge

Die Stimmung in den Chefetagen bleibt verhalten, vor allem in Gastronomie und Tourismus, Werbebranche und Logistik. Eine andere darbende Branche ist dagegen positiv überrascht.
Der steigende Pessimismus bei den Dienstleistern hat zu Jahresbeginn eine Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft verhindert. Besonders im Tourismus, in der Werbebranche sowie im Bereich Transport und Logistik habe sich das Geschäftsklima verschlechtert, sagte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe zu der Umfrage seines Instituts unter 9000 Managern.
Auch im Gastgewerbe ist die Stimmung weiter mies. "Hier wurden positive Impulse durch die Mehrwertsteuersenkung erwartet", sagte Wohlrabe mit Blick auf den seit 1. Januar von 19 auf 7 Prozent gesenkten Satz für Speisen. Allerdings seien viele Gastronomen zugleich durch den höheren Mindestlohn auch bei den Personalkosten stärker belastet worden. Dieser stieg um gut einen Euro auf 13,90 Euro pro Stunde.
Zentrales Problem der deutschen Wirtschaft bleibe der Auftragsmangel. "Knapp jedes dritte Unternehmen berichtet über fehlende Aufträge", betonte Wohlrabe. Dagegen seien die Exporterwartungen der Industriebetriebe trotz zwischenzeitlicher neuer Zolldrohungen durch US-Präsident Donald Trump gestiegen. "Dynamik sieht allerdings anders aus", sagte der Ifo-Umfragechef. "Vom Außenhandel fehlen insgesamt noch die Impulse."
Zufriedener zeigten sich die Händler. "Besonders die Geschäfte mit Textilien und Bekleidung sind besser gelaufen", sagte Wohlrabe. Womöglich hat das kalte Winterwetter den einen oder anderen Kunden zum Kauf von warmen Sachen motiviert.
Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen bleibt zum Jahresanfang gedämpft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verharrte im Januar auf dem Vormonatswert von 87,6 Punkten, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Anstieg auf 88,2 Zähler gerechnet. Die Firmen blickten etwas weniger skeptisch auf ihre Lage als zuletzt, bewerteten ihre Aussichten aber einen Tick ungünstiger. "Die deutsche Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr", sagte Ifo-Experte Wohlrabe.