Wirtschaft

Deutsche Bahn noch unpünktlicher Jeder fünfte Fahrgast verspätet sich

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Laufen für den Anschluss: Wartet der nächste Zug? Die Deutschen Bahn verschlechtert sich bei der Pünktlichkeit in allen Kategorien.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn geht es in allen Kategorien bergab. Die Zahl der Verspätungsminuten wächst, die Zahl der erreichten Anschlüsse sinkt und immer mehr Züge müssen warten, weil kein Personal da ist. Inzwischen kommt jeder fünfte Reisende zu spät ans Ziel.

Bei der Deutschen Bahn gilt die Sechs-Minuten-Regel: Ab dieser Wartezeit wertet die Statistik einen Zug als unpünktlich. Vor diesem Hintergrund spricht eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen eine besonders deutliche Sprache. Danach hat sich die Pünktlichkeitsstatistik des Staatsunternehmens auch 2018 noch einmal verschlechtert. Die Daten, die dem Hauptstadtstudio von RTL und n-tv vorab vorliegen, zeigen: Die Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn im Fernverkehr haben sich in allen Kategorien von 2017 auf 2018 verschlechtert. Jeder fünfte Reisende kommt zu spät ans Ziel.

"Wir haben in jeder Kategorie eine Verschlechterung, was die Pünktlichkeit und die Verlässlichkeit bei der Bahn angeht", kommentierte Matthias Gastel, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, den deutlichen Abwärtstrend bei der Bahn. Die Pünktlichkeitsquote habe sich verschlechtert, ebenso wie die Pünktlichkeitswerte, gemessen an Minuten. 2018 haben demnach 20 Prozent der Fahrgäste im Fernverkehr ihr Ziel mit Verspätungen erreicht.

Auch einen anderen Wert hob der Grünen-Verkehrspolitiker hervor: Fast fünf Prozent aller Züge seien ausgefallen, entweder komplett oder teilweise. Zwei Ursachen benannte Gastel gegenüber RTL und n-tv: Zu wenig Fahrzeuge und ein Schienennetz, das jahrelang auf Verschleiß gefahren worden sei. "Wir haben heute so viel Schienenverkehr wie noch nie auf einem geschrumpften Netz. Das kann nicht gutgehen und auf Dauer schon mal gar nicht."

Alle Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn zeigen nach unten

  • Die Pünktlichkeit der Züge im Fernverkehr hat sich von 78,5 Prozent im Jahr 2017 auf 74,9 Prozent in 2018 verschlechtert. Im Jahr 2012, als die Messung begann, lag der Wert noch bei 79,1 Prozent.
  • Die Zahl der Verspätungsminuten der Züge im Fernverkehr ist ebenfalls gewachsen, 2017 waren es insgesamt 3.306.154 Minuten, 2018 sind es 3.740.923 Minuten. 2012 lag die Gesamtverspätung noch bei 3.146.978 Minuten.
  • Der Anschlusserreichungsgrad im Fernverkehr, für Fahrgäste, die an den Hauptknotenpunkten umsteigen, hat sich 2018 ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert und ist von 87,1 Prozent auf 85,0 Prozent gesunken.
  • Die Reisendenpünktlichkeit betrug im Jahr 2017 84,3 Prozent und ist 2018 auf 80,1 Prozent gesunken. Danach kommt jeder fünfte Fahrgast zu spät an sein Ziel.
  • Der Anteil an den Verspätungsminuten durch Störungen an Fahrzeugen und Triebfahrzeugen ist von 10,8 Prozent auf 11,8 Prozent gestiegen.
  • Eine unpünktliche Bereitstellung der Züge lag 2017 in 7300 Fällen, 2018 in 9477 Fällen als Hauptgrund von Verspätung vor.
  • Warten auf Personal war 2017 in 3210 Fällen, 2018 in 4531 Fällen der Hauptgrund für Verspätungen.
  • Haltezeitüberschreitung und Zugräumung war 2017 in 24.982 Fällen, in 2018 in 27.497 Fällen der Hauptgrund von Verspätungen.
  • Die Zahl der ausgefallenen Züge ist prozentual gestiegen: Komplettausfall von 0,6 Prozent im Jahr 2017 auf 1,2 Prozent in 2018. 2008 lag der Wert noch bei 0,2 Prozent. Auch beim Teilausfall verzeichnet die Bahn einen Anstieg: von 3,1 Prozent im Jahr 2017 auf 4,2 Prozent in 2018. 2008 lag der Wert noch bei 1,5 Prozent.
  • Die Zahl der gefahrenen Kilometer im Fernverkehr, sogenannte Trassenkilometer, hat sich von 143,0 Millionen im Jahr 2016 auf 139,4 Millionen in 2017 verringert. 2010 waren es noch 147,9 Millionen Trassenkilometer.
  • Die Zahl der Personenkilometer, in Millionen gemessen, ist derweil gestiegen: von 39.313 in 2016 auf 40.330 in 2017. Das spricht für einen ausgedünnten Fahrplan im Fernverkehr: Es sind mehr Personen in weniger Zügen transportiert worden.
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Quelle: n-tv.de, hny/mau

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