Wirtschaft

Fed bekommt neuen Chef Warsh könnte für Trump zum Boomerang werden

30.01.2026, 14:13 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
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In den vergangenen Monaten übernahm Warsh öffentlich viele Positionen der Trump-Regierung. (Foto: REUTERS)

Vor zehn Jahren zieht Kevin Warsh noch den Kürzeren gegen Jerome Powell. Jetzt möchte Donald Trump den 55-Jährigen zum neuen Chef der Notenbank Fed machen. Doch auch Warsh könnte für Trump zur Enttäuschung werden.

Donald Trump hat sich entschieden: Kevin Warsh soll der neue Chef der US-Notenbank Fed werden. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Warsh für eine restriktive Geldpolitik steht - und damit eben nicht für "billiges Geld", wie Trump es fordert.

Warsh ist ein ehemaliger Gouverneur der Fed und war einer der vier Kandidaten auf der Liste von Trump. Nach den monatelangen Attacken Trumps gegen die Notenbank ist er eine überraschend konventionelle Wahl. Denn der 55-Jährige gehört im Gegensatz zu vielen Beratern in Trumps Umfeld zum traditionellen republikanischen Wirtschafts- und Finanzzirkel.

Die Amtszeit des derzeitigen Fed-Chefs Jerome Powell läuft im Mai aus. Ihn will Trump unbedingt loswerden. Der Grund: Unter Powells Führung hat sich die unabhängige Notenbank beharrlich geweigert, Trumps Forderung nach äußerst niedrigen Zinsen zu erfüllen. Diese kurbeln tendenziell die Konjunktur an, weil sie Kredite verbilligen. Trump argumentiert, dass sie außerdem die vielen US-Haushalte entlasten, vor allem bei den Hypotheken.

Die Fed ist anderer Meinung und sieht derzeit keinen Handlungsdruck. Die Inflation liegt weiterhin deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent, der Arbeitsmarkt ist stabil. Trump fordert dagegen Zinsen in Höhe von einem Prozent. Er hat mehrfach angekündigt, dass ein neuer Fed-Chef für Zinssenkungen sorgen müsse.

Mit Warsh könnte Trump ein Déjà-vu erleben. Er hatte nach seinem Wahlsieg 2016 Powell zum Fed-Chef ernannt. Damals lobte Trump Powell zum ersten und letzten Mal ausdrücklich. Kurz darauf änderte sich der Ton. Trump kritisierte Powell öffentlich, weil die Fed die Zinsen nicht senkte. Er bezeichnete die Fed als "größte Bedrohung" für seine Wirtschaftsagenda und beschimpfte Powell als "inkompetent", "Idioten" und "Blödmann".

Warsh hat einen Ruf als Inflationsbekämpfer

Als Trump im vergangenen Jahr erneut ins Weiße Haus eingezogen war, nahmen Tempo und Intensität seiner Angriffe zu. Auch am gestrigen Donnerstag lederte er gegen Powell und bezeichnete ihn als "Schwachkopf", der die wirtschaftlichen Aussichten der USA beeinträchtige. Die Fed hielt die Leitzinsen in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent, nachdem sie im vergangenen Jahr drei Senkungen um jeweils einen Viertelpunkt vorgenommen hatte. Es gebe "absolut keinen Grund", die Zinsen hochzuhalten, schimpfte Trump.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht konsequent, dass sich Trump für Warsh entschieden hat. Warsh hat sich zwar öffentlich für Zinssenkungen ausgesprochen, was allerdings nicht zu seinem langjährigen Ruf als Inflationsbekämpfer passt. Er war von 2006 bis 2011 Fed-Gouverneur und forderte damals vehement höhere Zinsen, um Inflation im Keim zu ersticken und Marktverzerrungen durch "billiges Geld" zu vermeiden.

Den Widerspruch löst Warsh nun so auf: Aktuell plädiert er deshalb für Zinssenkungen, weil das Zinsniveau momentan "übermäßig restriktiv" sei, also die Realwirtschaft unnötig bremsen würde. Viele sehen in seinen Äußerungen eine Anbiederung an Trump, nur um Fed-Chef zu werden.

Bereits nachdem Trump zum ersten Mal ins Weiße Haus eingezogen war, hatte sich Warsh für den Posten ins Gespräch gebracht. Trump entschied sich für Powell. Doch auch mit Warsh an der Fed-Spitze könnte Trump eine böse Überraschung erleben. Denn der an der zuletzt an der Eliteuniversität Stanford lehrende Ökonom hat einen Ruf zu verlieren. Es ist durchaus möglich, dass Warsh als Fed-Chef für eine sehr viel restriktivere Geldpolitik steht, als Trump erwartet.

Das weiß der US-Präsident selbst. "Alle, die ich interviewt habe, sind großartig. Ich glaube, jeder von ihnen könnte einen fantastischen Job machen", sagte er beim Weltwirtschaftstreffen in Davos. "Das Problem ist nur, dass sie sich ändern, sobald sie den Job bekommen haben."

Quelle: ntv.de

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