Powell-Nachfolger gefundenEx-Notenbankdirektor Kevin Warsh soll Fed-Chef werden

Wegen seiner Geldpolitik geht US-Präsident Trump immer wieder Fed-Chef Powell scharf an. Nach rund acht Jahren läuft dessen Mandat im Mai aus. Nun präsentiert Trump den Nachfolger für die Spitze der US-Notenbank. Es wird erwartet, dass Kevin Warsh im Sinne Trumps agiert.
Der Ökonom und frühere Fed-Direktor Kevin Warsh hat sich im Rennen um den künftigen Vorsitz der US-Notenbank durchgesetzt. Damit gelangt ein ausgewiesener Finanzexperte an die Spitze der einflussreichsten Zentralbank der Welt, die von politischen Weisungen unabhängig ist. Zugleich hat US-Präsident Donald Trump bereits vor der Nominierung betont, dass der Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell ein Anhänger niedrigerer Leitzinsen sein werde. Für den derzeit an der US-Eliteuniversität Stanford tätigen Warsh ist es eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte, denn er saß bereits von 2006 bis 2011 im Board der US-Notenbank.
In diese Zeit fielen die globale Finanzkrise und die dadurch ausgelösten Erschütterungen, die die Arbeitslosenzahlen hochtrieben. Anders als damals läuft die US-Wirtschaft zwar rund. Doch die auch wegen der Folgen der Zollpolitik Trumps weiter hartnäckig erhöhte Inflation und ein merklich abgekühlter Arbeitsmarkt stellen die Fed vor neue Herausforderungen, während sie von Trump immer wieder zu Zinssenkungen gedrängt wird.
Powell ist im Zuge von Kostenüberschreitungen bei einem 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierungsprojekt am Sitz der Fed in Washington sogar ins Visier der Justiz geraten. Der Fed-Chef bezeichnete das Vorgehen als Vorwand, um ihn wegen der von Trump geforderten Zinssenkungen unter Druck zu setzen. Warsh hatte in einem Interview mit "Fox News" Mitte vorigen Jahres klargemacht, dass er für eine Lockerung des geldpolitischen Kurses eintreten würde, wenn er darüber mitzubestimmen hätte.
Warsh wurde 1970 in Albany im US-Bundesstaat New York geboren. Er studierte Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften und Statistik an der Stanford University, wo er 1992 seinen Bachelor-Abschluss mit Auszeichnung erwarb. Anschließend studierte er an der Harvard Law School an der Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Regulierungspolitik und schloss sein Jurastudium 1995 ab.
In seiner beruflichen Karriere hat er Erfahrung im Finanzsektor und in der Politik gesammelt. Warsh arbeitete unter anderem für die US-Großbank Morgan Stanley und später auch im wirtschaftlichen Beratergremium von Präsident George W. Bush, bevor er zur Fed wechselte.