Wirtschaft

Von wegen "Greta-Effekt" Klima-Debatte bremst Flugbuchungen nicht

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Lufthansa und Easyjet spüren keinen "Greta-Effekt" bei Flugbuchungen.

(Foto: imago images / Rüdiger Wölk)

Die Bereitschaft, etwas für den Klimaschutz zu tun, nimmt zu. Bei Flugbuchungen lässt sich nach Angaben von Lufthansa und Easyjet noch kein Umdenken feststellen. Im Gegenteil: Beide Unternehmen rechnen mit steigenden Passagierzahlen. Die CO2-Kompensation wird allerdings auch immer beliebter.

Trotz anhaltender Proteste und Diskussionen rund um den Klimaschutz spüren sowohl Lufthansa als auch Easyjet noch keine Auswirkungen auf die Buchungszahlen. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr sei keine Zurückhaltung der Kunden durch die derzeitige Klimaschutz-Debatte festzustellen. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, sagte Spohr der "Neuen Züricher Zeitung" auf die Frage nach einem "Greta-Effekt".

Damit wird auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg angespielt, die mit ihren Protesten die jüngste Klimaschutzbewegung angestoßen hat. Doch Spohr erwartet für die gesamte Lufthansa-Gruppe 2019 einen Passagierzuwachs von rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings setze der Preiskampf dem Unternehmen zu, räumte Spohr ein.

Ein großes Problem seien laut Spohr allerdings die Überkapazitäten. Die drücken auf die Flugpreise, so dass 2019 für die Lufthansa kein neues Rekordjahr werde. "Wettbewerber arbeiten tatsächlich teilweise mit Preisen pro Flug unter zehn Euro". Das sei ökonomisch, ökologisch und politisch unverantwortlich. "Flüge für unter zehn Euro dürfte es nicht geben."

"Zusammenhang mit Klimadebatte nicht feststellbar"

Auch Billigflieger Easyjet rechnet nach Angaben von Deutschland-Chef Stephan Erler mit steigenden Passagierzahlen. "Wir schauen im Gesamtjahr auf rund 90 Millionen Passagiere und erwarten auch in diesem Jahr erneut Wachstum", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Einen Zusammenhang mit der Klimadebatte können wir deshalb nicht feststellen."

Dennoch scheint die Bereitschaft der Menschen zuzunehmen, etwas zum Klimaschutz zu tun. Die Klimaschutzorganisation Atmosfair vermeldete jüngst, 2018 seien 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen bei der Organisation eingegangen, 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und für das erste Halbjahr 2019 registrierten die Klimaschützer gar eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 7,5 Millionen Euro. Dabei müsse man beachten, dass die flugstarken Monate erst noch kämen, teilte ein Sprecher am Sonntag mit.

Erhöhte Fluggastzahlen sorgen für Verspätungen

Die Klimaschutzorganisation Atmosfair spürt dagegen schon länger einen Effekt der Klima-Debatte: 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen seien 2018 bei der Organisation eingegangen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr, hatte Atmosfair Mitte Juni mitgeteilt. Atmosfair ist einer von mehreren Anbietern, bei denen man Flüge, Kreuzfahrten und anderes "kompensieren" kann, indem man Geld spendet. Damit werden Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Andere Anbieter sind Klima-Kollekte, Primaklima, Myclimate, ClimatePartner, Klimamanufaktur oder Arktik.

Stetig wachsende Fluggastzahlen wirken sich indes nicht nur auf das Klima aus. Branche und Passagiere bekommen vor allem die damit verbundenen Engpässe zu spüren, die seit der Air-Berlin-Pleite vor zwei Jahren weiter bestehen. Das führt auch in diesem Jahr zu Verspätungen und Flugausfällen. Verschärft wurde das Problem im vergangenen Jahr durch zahlreiche Warnstreik-Tage von Fluglotsen. Laut europäischer Luftfahrtbehörde Eurocontrol waren im Jahr 2018 aus diesen Gründen mehr als 318.000 Stunden Verspätung zusammengekommen, rund doppelt so viele wie im Jahr davor.

Quelle: n-tv.de, mba/rts/dpa

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