Wirtschaft

"CO2-neutral" oft nicht ehrlich "Klimaschutz darf keine Marketing-Aktion sein"

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PR-Botschaften wie "CO2-neutral" oder "klimapositiv" sagen noch nichts über die tatsächliche Nachhaltigkeit eines Produkts aus. Der Erde hilft das nicht.

(Foto: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich)

Klimaschutz steht hoch im Kurs. Immer mehr Unternehmen wollten ihre CO2-Bilanz und damit ihr Image aufpolieren, sagt Moritz Lehmkuhl von Climate Partner, der Firmen berät. Mit einem umstrittenen, aber sehr üblichen Verfahren könnten sie sich leider aber sehr schnell aus der Affäre ziehen.

Aus einer Nische ist in den vergangenen Jahren ein Massenmarkt geworden: Deutsche Unternehmen wollen so schnell wie möglich ihre CO2-Bilanz verbessern. Weil der Ausstoß von Schadstoffen teuer ist und sich das Wort "klimaneutral" gut auf der Website macht.

Das Münchner Unternehmen Climate Partner profitiert von diesem Trend, mehr als 5000 Kunden lassen sich von dem Anbieter beraten – und werben im Erfolgsfall auch mit einem entsprechenden Label. "Die Bereitschaft der Unternehmen, wirklich umzukrempeln, ist da", sagt Moritz Lehmkuhl, Chef und Gründer von Climate Partner, im Podcast "Die Stunde Null". Zwar steige die Nachfrage angesichts von Inflation und hohen Energiepreisen nicht mehr so stark wie noch in den vergangenen Jahren, doch sei das Interesse nach wie vor groß.

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Moritz Lehmkuhl von Climate Partner

(Foto: Climate Partner)

Aus Lehmkuhls Sicht ist es allerdings wichtig, dass die Unternehmen nicht nur an einer besseren Außendarstellung interessiert sind, sondern wirklich etwas gegen ihre Emissionen tun wollen. "Wir wollen die Unternehmen überzeugen, dass es viel tiefer gehen muss."


Einzelhändlern mit vielen vorgelagerten Lieferketten müssten auch die Prozesse der Lieferanten in den Blick nehmen. Natürlich kann kaum ein Unternehmen tatsächlich seine eigenen Emissionen schnell auf Null reduzieren, weshalb die Kunden oft für Kompensationszertifikate zahlen – ein übliches Verfahren in der Branche, das allerdings immer wieder zu Kritik führt: Senkt das Prinzip die Bereitschaft, wirklich etwas zu tun? "Es darf keine reine Marketing-Aktion sein. Das Engagement muss immer weiter gehen", sagt Lehmkuhl.

 

Climate Partner fördert und entwickelt Klimaschutz-Projekte in ärmeren Ländern, die zur Kompensation angerechnet werden können – beispielsweise in Äthiopien oder Kenia. Um ein solches Programm vorantreiben zu können, braucht der Münchner Dienstleister immer mehr Mitarbeiter – über 500 sind es bereits jetzt. "Wir sind bei vielen Projekten vor Ort. Sonst würde es nicht funktionieren", sagt er.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null"

  • Warum Climate Partner einem fiktiven Blumenladen auf den Leim ging
  • Weshalb das Unternehmen technisch versierte Mitarbeiter braucht
  • Wie auch Privatpersonen klimaneutral werden

Alle Folgen finden Sie direkt bei RTL+Musik, Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, ddi

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