Wirtschaft

Keine Illusion bei Konzernumbau Knof: Coba befindet sich mitten im Marathon

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"Natürlich reicht es nicht, zu schrumpfen und Kosten zu senken", sagt Knof.

(Foto: picture alliance/dpa)

In seinem ersten Jahr im Amt entrümpelt Commerzbank-Chef Knof die Bilanz und verschärft den Sparkurs. Auf dem Weg zurück in die Erfolgsspur zeigt sich der Manager beharrlich. Dabei ist er sich auch im Klaren darüber: Den größeren Weg der Strecke hat das Geldinstitut noch vor sich.

Bei Yoga oder Krafttraining am frühen Morgen holt sich Manfred Knof die Energie für einen der herausforderndsten Jobs in der deutschen Finanzbranche: die Neuaufstellung der Commerzbank. Seit einem Jahr müht sich der Vorstandschef, das Frankfurter Institut zurück in die Erfolgsspur zu führen. Schon als Deutschland-Chef des Versicherers Allianz hat Knof sich den Ruf eines Sanierers erworben.

Bei der noch vor seiner Zeit in den MDax abgestiegenen Commerzbank verliert der Manager nach seinem Wechsel von der Deutschen Bank zum 1. Januar 2021 keine Zeit: Knof entrümpelt die Bilanz und verschärft den Sparkurs - Tausende Stellenstreichungen und ein Kahlschlag im Filialnetz inklusive. "Wer mich kennt, weiß, dass ich dabei sehr beharrlich sein werde. Mit halben Sachen gebe ich mich nicht zufrieden", betonte Knof im Februar in Frankfurt bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2020, die noch sein Vorgänger Martin Zielke zu verantworten hatte.

Die Umsetzung der "Strategie 2024" zusammen mit Aufsichtsrat und Arbeitnehmergremien der Bank sei gelungen, bilanziert Verdi-Vertreter Stefan Wittmann, der auch Mitglied im Commerzbank-Aufsichtsrat ist. Allerdings müsse der eingeschlagene Sparkurs ausreichen, "denn es quietscht jetzt schon an einigen Ecken und Enden und eine weitere Verschärfung würde das Personal über Gebühr belasten und die Erträge der Bank gefährden", sagt Wittmann. "Man kann auch zu sparsam sein."

Bank soll nicht zum Übernahmekandidaten werden

Der Vorstand hat das Ziel ausgegeben, bis Ende 2024 die Zahl der Vollzeitstellen von 39.500 auf 32.000 zu verringern. Das Filialnetz in Deutschland wird von 790 auf 450 verkleinert. Knof räumte ein: "Natürlich reicht es nicht, zu schrumpfen und Kosten zu senken." Sein oberstes Ziel: Die Commerzbank soll nicht - wie so oft in der Vergangenheit - zur Übernahmekandidatin werden.

Es gehe darum, "alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Commerzbank auch eigenständig bleiben kann", betonte der Vorstandschef im November beim "Wirtschaftsgipfel" der "Süddeutschen Zeitung". Und am liebsten würde Knof die Zukunft ohne den Staat planen. "Als private Bank glauben wir, dass es natürlich besser ist, wenn wir später auch unabhängig sind und wenn auch irgendwann mal der Staat sicherlich wieder rausgeht", sagte Knof bei dem "Wirtschaftsgipfel".

Der Bund hatte die Commerzbank, die mitten in der Finanzkrise die kriselnde Dresdner Bank geschluckt hatte, 2008/2009 mit mehr als 18 Milliarden Euro Steuergeldern vor dem Kollaps bewahrt. Die staatlichen Hilfen hat die Bank vor Jahren zurückgezahlt, der Bund ist aber mit 15,6 Prozent noch größter Anteilseigner des Instituts. Dass die FDP nun das Finanzministerium führt, lässt nach Einschätzung mancher Beobachter die Wahrscheinlichkeit steigen, dass der Bund sein Aktienpaket abstößt. Schließlich haben sich die Liberalen in der Vergangenheit mehrfach für einen Rückzug des Staates aus der Commerzbank ausgesprochen.

"Für Freudensprünge ist es aber definitiv zu früh"

Nach unbestätigten Medienberichten hat der bereits an der Commerzbank beteiligte Finanzinvestor Cerberus Interesse, den Staatsanteil zu übernehmen. Größter Haken an einem Verkauf aus Sicht des Bundes: Das Aktienpaket ist nur noch einen Bruchteil der 5,1 Milliarden Euro wert, die es einst gekostet hat. Balsam für die seit Jahren gebeutelten Aktionäre: Das Jahr 2021 dürfte die Commerzbank mit schwarzen Zahlen abschließen. "Für das Gesamtjahr rechnen wir trotz der Umbaukosten (...) mit einem positiven Konzernergebnis", hatte Knof Anfang November verkündet.

"Sollte die Commerzbank AG es schaffen, 2022 ihren Aktionären wieder Dividende auszuschütten, wäre das jedenfalls ein sehr positives Signal", sagt Anlegeranwalt Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Für Freudensprünge ist es aber definitiv zu früh." Die Commerzbank werde "auch in den kommenden Jahren entscheidende Herausforderungen meistern müssen, um sich wieder in die Top-Liga der Großbanken zurückzukämpfen", prognostiziert Nieding. Konzernchef Knof macht sich in dieser Frage keine Illusionen, wie er Anfang November sagte: "Den größeren Weg der Wegstrecke haben wir noch vor uns. Wir befinden uns mitten in einem Marathon."

Quelle: ntv.de, Jörn Bender, dpa

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