Wirtschaft

Strommix in Deutschland Kohle ist wieder wichtigster Energieträger

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Das Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine.

(Foto: dpa)

Deutschland will aus der Kohle aussteigen, doch von Juli bis September ist diese wieder der wichtigste Energieträger. Für Klimaschützer ist die Nachricht aber nicht ganz so schlecht, wie sie klingt.

Seit Jahrzehnten versucht Deutschland, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen - doch die Kohle bleibt auch 2020 unverzichtbar: Im dritten Quartal dieses Jahres ist sie wieder zum wichtigsten Energieträger im Land aufgestiegen. Mit 26,4 Prozent hatte der Kohlestrom erstmals seit dem vierten Quartal 2019 wieder den größten Anteil an der insgesamt eingespeisten Strommenge, teilte das Statistische Bundesamt mit. Insgesamt kamen 56 Prozent des von Juli bis September produzierten Stroms aus konventionellen Trägern wie Kohle, Gas und Atomkraft. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres hatten noch die erneuerbaren Energien knapp vorn gelegen.

Wer sich deswegen Sorgen macht, kann sich zumindest etwas mit dem Blick aufs Vorjahresquartal trösten. Denn im Vergleich dazu ist die Bedeutung der konventionellen Energieträger gesunken - damals waren diese noch die Quelle für 57,7 Prozent des eingespeisten Stroms gewesen. Der Anteil der Kohle lag noch bei 28,5 Prozent. Es wurde also im dritten Quartal des laufenden Jahres deutlich weniger Kohle verstromt als im Sommerquartal 2019. Laut dem Bundesamt gab es einen Rückgang von fast 10 Prozent. Ein ähnliches Minus steht bei der Atomkraft zu Buche. Dass der Anteil konventioneller Energieträger nicht noch stärker sank, liegt am Erdgas. Das wurde zuletzt deutlich stärker für die Stromerzeugung genutzt als im vergangenen Jahr.

Zugleich wuchs der Anteil erneuerbarer Energien im Vorjahresvergleich. Das ist vor allem einem Plus bei der Fotovoltaik zu verdanken, die um fast 10 Prozent zulegte. Auch aus Biogas gab es mehr Energie (plus 3 Prozent). Die Windkraftleistung ging dagegen um gut 6 Prozent zurück. Trotz der fortgesetzten Bedeutung der Kohle verschieben sich die Gewichte also weiterhin in Richtung erneuerbarer Energien.

Insgesamt wurden im dritten Quartal 116,7 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Die importierte Strommenge sank im vergangenen Quartal im Vorjahresvergleich um 10,3 Prozent auf 12,5 Milliarden Kilowattstunden. Den größten Rückgang verzeichneten die Importe aus Frankreich mit einem Minus von 65,7 Prozent. Die exportierte Strommenge sank auf 13,5 Milliarden Kilowattstunden. Insgesamt wurde damit weiterhin mehr Strom aus Deutschland exportiert als nach Deutschland importiert. Deutschland plant als Maßnahme gegen den Klimawandel den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2038. Im Gegenzug fließen Milliardenhilfen in die vom Ausstieg betroffenen Regionen.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP