Wirtschaft

Feuerpause im Handelsstreit Trump wird weiter zocken

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Juncker und Trump treten vor die Presse. Das Augenmerk gilt unterschiedlichen Dingen.

(Foto: REUTERS)

Trump und Juncker haben einen Deal? Nein. Noch lange nicht. Aber es herrscht Feuerpause. Was jetzt kommt, sind langwierige Verhandlungen. Die sind der härtere Brocken. Amerikas eigentliches Problem werden sie nicht lösen.

Die Überraschung ist perfekt. Bei den Handelsgesprächen in Washington ist geglückt, womit im Vorfeld keiner gerechnet hatte. US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker haben sich angenähert. Es hätte deutlich schlimmer kommen können. Ein Durchbruch ist es nicht. Von einer Einigung ist man weit entfernt, aber es herrscht Waffenstillstand - immerhin. Ein Anfang.

Juncker selbst hatte die Erfolgsaussichten für sein Gespräch im Vorfeld gering eingeschätzt. "Ich kenne Herrn Trump relativ gut", hatte er zuvor gesagt. Sagen wollte er wohl damit: Der Typ ist schwierig. Juncker wusste, dass er keine Gastgeschenke im Gepäck hatte, sondern nur eine fette Drohung. Er war der Überbringer einer schlechten Nachricht: Die EU würde im Fall neuer Zölle zurückschlagen.

Die Chemie zwischen den beiden Männern hat an dem Abend trotzdem gestimmt. Beide können zufrieden sein. Trump hat gerade so die Kurve gekriegt, als ihm der Gegenwind aus der eigenen Partei wegen der 12-Milliarden-Dollar-Nothilfen an die US-Farmer schon scharf ins Gesicht blies. Und Juncker kann sich zugutehalten, dass er für die Europäische Union eine weitere Eskalation im Handelsstreit erst einmal abgewendet hat. Die höheren Zölle auf Autos liegen auf Eis, die Zölle auf Stahl und Aluminium sollen überprüft werden. 

Wer wenig erwartet, freut sich am Ende mehr. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der größte Teil der Arbeit jetzt noch bevorsteht. Der Schulterschluss von Juncker und Trump hat wertvolle Zeit erkauft. Die muss nun aber auch sinnvoll genutzt werden. Die größte Gefahr besteht darin, dass Hoffnungen geweckt werden, die zu hoch gesteckt sind.

Die bedrohlichen Autozölle sind alles andere als abgewendet. Juncker und Trump haben nur ihren Willen bekundet, in konstruktive Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren einsteigen zu wollen. Es ist eine Feuerpause. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine ambitionierte Absenkung aller Zölle, ein verbesserter Marktzutritt bei Dienstleistungen und öffentlichen Aufträgen und regulatorische Zusammenarbeit, kurz: eine faire und ausbalancierte neue Handelswelt. Das ist in einer Nachtsitzung nicht zu schaffen. Die langwierigen Verhandlungen, die jetzt bevorstehen, bergen viel Konfliktpotenzial.

Europa sollte jetzt zusammenrücken

Der US-Präsident darf sich gerne höhere Soja- und Gasimporte der EU wünschen. Aufzwingen lassen sich diese aber nicht - auch wenn Juncker erstmal nickt. Zum einen gibt es Marktprozesse. Zum anderen hat die Politik auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Überhaupt stellt sich die Frage, welches Mandat Juncker in Washington hatte. Für wen hat er gesprochen? Sein Besuch könnte leicht einen falschen Eindruck hinterlassen haben. Denn die EU-Staaten dürften nicht so geschlossen hinter ihm stehen, wie es vielleicht den Anschein hat. Mehr Soja aus den USA für Europa? Was ist mit Soja aus Europa? Die Bauern in der EU werden nicht begeistert sein. Wichtig wäre es aber jetzt, dass die Union mit einer Stimme spricht.

Die Absichtserklärungen sollten jetzt schnell in konkrete Vorschläge münden. Mehr denn je braucht es dazu viel Fingerspitzengefühl und einen langen Atem. Balance im Welthandel heißt nicht "America first". Allerdings gehen die Vorstellungen Trumps da in eine etwas andere Richtung. Es verspricht anstrengend zu werden. Vor allem, weil Diplomatie keine Kernkompetenz des US-Präsidenten ist.

Die größte Krux aber ist, dass ein zentrales Problem des Präsidenten hier ungelöst bleibt: Das Handelsdefizit der USA mit der EU wird durch das angestrebte Handelsabkommen nicht geringer werden. Spätestens wenn Trump das spitzkriegt, dürften Twitter-Tiraden und Wort-Entgleisungen wieder zurückkehren. Bis dahin aber ist die Pause höchst willkommen.

Quelle: ntv.de