Wirtschaft

Für rund 29 Milliarden Dollar Kreml übernimmt Sberbank

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Der russische Staat ist neuer Mehrheitseigner der landesgrößten Bank.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Bislang sollte die russische Zentralbank eines der größten Geldinstitute kontrollieren und war gleichzeitig Anteilseigner. Mit einem Griff in den Staatsfonds löst Moskau nun das Problem und kauft die Mehrheit. Damit ist die Sberbank praktisch verstaatlicht.

Russland hat eine Kontrollbeteiligung an der Sberbank Rossia erworben. Das Land hat auf den Staatsfonds zurückgegriffen, der sich aus Öleinkünften speist, um den von der Zentralbank gehaltenen Anteil an Sberbank von 50 Prozent zu übernehmen. Der Transfer einer weiteren Aktie soll am 6. Mai erfolgen, wie das Finanzministerium mitteilte. Für die Aktion nahm der Kreml 2,14 Billionen Rubel - umgerechnet 29 Milliarden US-Dollar - in die Hand. Die Mittel des Nationalen Wohlfahrtsfonds sind eigentlich dafür gedacht, beispielsweise marode Straßen zu finanzieren.

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Die Papiere wurden zu je 189,44 Rubel erworben, dem Durchschnitt der vergangenen 30 Handelstage an der Börse Moskau. Ende Februar, vor dem Kollaps der Ölpreise und der Corona-Pandemie, lag der Kurs noch bei rund 250 Rubel.

Durch die Übernahme durch den Staat soll der Interessenkonflikt der russischen Zentralbank beseitigt werden - sie fungiert sowohl als Regulierungsbehörde als auch als Mehrheitsaktionär der Sberbank, die den Markt für Privatkunden dominiert. Medienberichten zufolge sollte der Kauf jedoch in Phasen von April 2020 bis Mitte 2021 erfolgen.

Mit dem Schritt sichert sich Russland zudem weitere Einnahmen für den Staatshaushalt: Aktien der Sberbank werfen in aller Regel hohe Dividenden ab. Mehr als 90 Millionen Russen haben ein Konto bei der Sberbank. Wichtige Transaktionen wie die Überweisung von Steuern und die Abrechnung von Dienstleistungen werden über diese Bank abgewickelt. Für das Finanzministerium ist sie deshalb besonders interessant.

Obendrein landet ein Teil der Kaufsumme wieder im Haushalt der Regierung. Denn die Notenbank ist verpflichtet, ihren Gewinn anteilig an die Staatskasse abzuführen. Diese Mittel sollten dann für die von Putin geplanten höheren Sozialausgaben verwendet werden, hatte Finanzminister Anton Siluanow bei der Vorstellung der Pläne im Februar gesagt. Einen Monat später unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz zum Erwerb der Aktien. Demnach sollte das Finanzministerium künftig mit 52,3 Prozent der Stammaktien eine Mehrheit an dem Geldinstitut halten.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa