Wirtschaft

Keine Panik! Kursschwankungen? Ausnutzen.

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(Foto: imago/Sven Simon)

Die Volatilitäten an den Aktienmärkten sind extrem. In diesem Jahr lag der Dax zwischenzeitlich schon fast 20 Prozent im Minus. Solche Kurseinbrüche sind jedoch die besten Einstiegsgelegenheiten.

Viele Anleger meiden Aktien aus Angst vor Verlusten. Tatsächlich rauschen die Börsen immer wieder in den Keller. Die Kunst ist, rechtzeitig aus- und vor allem dann aber auch wieder rechtzeitig einzusteigen.

Bei einer Korrektur wie zum Jahresanfang sprechen Börsianer bereits von einem Crash. Der Kurseinbruch war keine Ausnahme, sondern stellt mittlerweile eher den Normalfall dar. Nach Berechnungen von JP Morgan hat der MSCI Europa in den zurückliegenden zehn Jahren in jedem Jahr zwischenzeitlich prozentual zweistellig im Minus notiert. In den Jahren 2009 und 2011 belief sich der Verlust in der Spitze sogar auf 25 beziehungsweise 26 Prozent, 2015 immerhin auf 17 Prozent.

Wie drastisch solche Abstürze für die Gesamtperformance eines Vermögens sind, verdeutlicht folgendes Beispiel: Wenn eine Anlage 50 Prozent an Wert verliert, muss sie sich anschließend verdoppeln, nur um wieder das Ausgangsniveau zu erreichen. Das zeigt, wie wichtig das Vermeiden oder zumindest das Begrenzen von Verlusten ist.

Leider sind Korrekturen oder Crashs an der Börse häufig nicht im Vorhinein absehbar. Manchmal sind sie es aber doch. Zuletzt zum Beispiel beim Brexit-Votum der Briten. Zwar galt die Wahrscheinlichkeit für einen EU-Austritt des Vereinigten Königreichs vor der Wahl als ausgesprochen gering. Es hat Anleger aber nicht viel gekostet, vor dem Referendum britische Aktien glatt zu stellen oder den Dax durch ein Short-Dax-ETF abzusichern. Nach der Wahl brachen deutsche Standardtitel immerhin im Durchschnitt um 10 Prozent ein. Ein politisch motivierter Kurseinbruch wie nach dem Brexit-Referendum könnte sich zum Beispiel am 8. November wiederholen. Dann findet in den USA die Präsidentschaftswahlen statt.

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Holger Knaup arbeitet als geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und ist verantwortlich für das Portfolio- und Risikomanagement.

Außerdem gibt es verschiedene Risikoindikatoren, die charttechnisch oder fundamental auf "schlechtes Wetter" an den Aktienmärkten hinweisen. Gute Hinweise liefern beispielsweise implizite Volatilitäten. Sie spiegeln die an den Terminmärkten erwarteten Schwankungen von einzelnen Aktien oder Indizes wider. Je höher die Volatilitäten ausfallen, desto risikoreicher ist das Umfeld.

Ein anderer gängiger Indikator ist die 200-Tage-Linie. Der Abstand einer Aktie oder eines Indizes dazu zeigt an, in welchem Stadium sich die Hausse oder die Baisse befindet. Liegt der Index bereits weit über dem gleitenden Schnitt, ist die Aufwärtsbewegung schon weit fortgeschritten - eine Konsolidierung könnte anstehen. Notiert der Index deutlich unter dem Durchschnitt der zurückliegenden 200 Handelstage, ist oftmals ein günstiger Zeitpunkt zum Einstieg erreicht. Darüber hinaus können saisonale Muster im Jahresverlauf ebenfalls auf Chancen und Risiken hinweisen.

Schwierige Wiedereinstieg

Fast genauso herausfordernd wie die Begrenzung von Verlusten ist es, rechtzeitig in den Markt wieder einzusteigen. Der Neukauf fällt erfahrungsgemäß so schwer, weil der vorangegangene Kurssturz gewissermaßen noch in den Knochen steckt. Viele Anleger trauen sich erst dann wieder zuzukaufen, wenn sich die Lage an den Finanzmärkten beruhigt hat. Oftmals ist dann jedoch schon ein großer Teil der Erholungsrally gelaufen.

Die Analysten von JP Morgan haben festgestellt, dass in den vergangenen zehn Jahren der MSCI Europe trotz aller zwischenzeitlichen Kurseinbrüche nur zwei Mal das Gesamtjahr mit einem Minus beendet hat: 2008 nach der Lehman-Pleite und 2011 als die europäische Schuldenkrise hochgekocht war.

Das Schlimmste, was Anlegern passieren kann ist, in Panik zu den Tiefstkursen zu verkaufen und dann "noch geschockt" die anschließende Aufwärtskorrektur zu verpassen. Zu einem erfolgreichen Risikomanagement gehört es genauso, in Krisenphasen rechtzeitig die Aktienquote wieder hochzufahren.

Gelegenheiten sollte es in den kommenden Monaten genug geben. Neben der US-Präsidentschaftswahl dürften die Bankenkrise in Italien, die Probleme der deutschen Kreditinstitute, die ersten konkreten Folgen des Brexit-Votums oder Terroranschläge die Finanzmärkte immer wieder in Angst und Schrecken versetzen. Und vergessen wir nicht die schwarzen Schwäne, also Negativ-Ereignisse, mit denen wir heute noch gar nicht rechnen können.

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Quelle: n-tv.de